Original paper

Über den am 6. und 7. Januar 1908 in Norddeutschland beobachteten Staubfall.

Finckh, Ludwig

Kurzfassung

Die Untersuchung einer Reihe von weiteren Proben von Staub des bei dem starken Wettersturz am 6. und 7. Januar niedergegangenen Staubfalles aus verschiedenen Gegenden Norddeutschlands ergab, daß die Korngröße dieser Staubproben, die zum großen Teil auf Resten von Schneedecken gesammelt waren, eine verhältnismäßig grobe ist, so daß man an eine weite Verfrachtung solchen Materiales durch Winde nicht gut denken konnte. Alle diese Proben enthalten, wie durch die optische Untersuchung festgestellt wurde, reichlich Quarz, Muskovit und eine grüne Hornblende neben Fragmenten von frischen Feldspaten, Pyroxenen und Blättchen von frischem Biotit. Außerdem konnte in allen Proben reichlich Turmalin nachgewiesen werden, der auch als Einschluß in Muskovit beobachtet wurde. Neben frischen Feldspaten findet sich reichlich auch stark zersetzter Orthoklas sowie zersetzter Biotit. In einer Probe aus Chemnitz ist neben den erwähnten Gemengteilen spärlich Granat enthalten; die Pyroxene erscheinen in dieser Probe verhältnismäßig häufig, und zwar vorwiegend grüne monokline Augite und spärlicher ein als Hypersthen gedeuteter Pyroxen, der einen deutlichen Pleochroismus zwischen grün und gelb mit einem Stich ins Rötliche zeigt. In allen Proben ist grüne Hornblende enthalten, die in vielen Körnern deutlich schiefe Auslöschung erkennen läßt. Gerade die Probe von Chemnitz ist besonders wertvoll für die Beurteilung der Staubfälle, da sie Mineralien enthält, deren Ursprung auch in einem benachbarten Gebiete alter Eruptivgesteine, nämlich im sächsischen Granulitgebirge, gesucht werden kann. Ein großer Teil der Gemengteile aus den Staubfällen im norddeutschen Flachlande (z.B. aus Westpreußen, Mecklenburg und Schlesien) läßt sich ohne weiteres, auch auf kristallines Geschiebematerial aus diluvialen Schichten zurückführen, z.B. auf Granite und Amphibolite.