Original paper

Über den Eiswind und das Dünengebiet zwischen Warthe und Netze.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

Bei geologischen Vorgängen spielen Klima und Klimaänderungen eine hervorragende Rolle. Alle klimatischen Faktoren kommen dabei in Betracht. Während aber seit den ältesten Zeiten geologischer Forschung die Temperaturen früherer Erdepochen, insbesondere deren Jahresmittel, allseitig beachtet und auf den Vergleich fossiler Floren mit der lebenden Pflanzenwelt wärmerer Zonen weitgehende Folgerungen gegründet wurden, sind die Windverhältnisse bis in neuere Zeit nur selten gewürdigt worden, obwohl gerade sie wichtige Probleme bieten. Vor 23 Jahren führte ich den Begriff des ,Eiswindes" in die Geologie ein, indem ich am Schlüsse einer Arbeit ,Beiträge zum Ausbau der Glazialhypothese in ihrer Anwendung auf Norddeutschland" den mitteleuropäischen Löß als Staub deutete, der durch Winde aus den kürzlich vom Eise befreiten nördlicheren Landstrichen herbeigeführt worden sei. Ich schrieb damals: ,Nach der Theorie der atmosphärischen Bildung" (sc. des Lösses im Sinne v. Richthofens) ,ist das Auftreten des Löß am Rande der Vergletscherungen wohl verständlich". Die Theorie verlangt: a) mäßigen, in begrenzten Gebieten regelmäßig abstillenden Wind; b) Graswuchs bzw. Steppenvegetation in diesen Gebieten; c) vegetationsarme Gebiete, welche den Staub liefern. Letztere dürfen wir auf den soeben vom Eise verlassenen Gebieten erwarten; baumlos muß wohl die Vegetation in einem weiten Umkreise um das Eis gewesen sein. Und für Punkt a) dürfen wir wohl anführen, daß ein weites Inlandeis, wie es die Folge eigentümlicher meteorologischer Verhältnisse ist, so auch umgekehrt von maßgebendem Einflüsse auf die Witterung eines großen Gebietes sein muß.