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Geologische Untersuchungen in den Bergen zwischen Livigno, Bormio und St. Maria im Münstertal.

Schlagintweit, Otto

Kurzfassung

Anschließend an die Untersuchungen von Zoeppritz zwischen Albulapaß und Livigno hatte ich mir auf Veranlassung meines hochverehrten Lehrers, Herrn Geheimen Bergrats Prof. Dr. G. Steinmann, ein genaueres Studium des Südrandes der Engadiner Dolomitzone in der Gegend von Livigno bis Bormio zur Aufgabe gemacht. Zwei Fragen standen dabei zunächst im Vordergrunde: 1. Wie weit und wie setzt der aus der Val Trupchum über den Monte Motto ziehende breite Streifen von Liasgesteinen nach Osten fort? 2. Wie verhält es sich mit der auf allen Übersichtskarten so scharf markierten, ganz geradlinig verlaufenden Grenze zwischen den kristallinen Gesteinen im Süden und den triadischen Sedimenten? Zwar geben Theobalds Arbeiten Antwort auf diese Fragen. Es war indes vorauszusehen, daß eine modernere und detaillierte Untersuchung wohl zu anderen Resultaten gelangen würde. Von besonderem Interesse war es dann, ob ein Deckenbau, wie er für das übrige Graubünden nunmehr erkannt ist, sich auch in diesem südlichen Teile nachweisen ließe, ob überhaupt große Überschiebungsdecken dort vorhanden seien, und ob man diese aus einer bestimmten Gegend herleiten könne; eine Frage, die Termier für einen Teil unseres Gebietes im Sinne eines Süd-Nord-Schubes entschieden bejahen zu können glaubt, während dies Zoeppritz für das von ihm untersuchte benachbarte Gebiet ebenso entschieden in Abrede stellt. Die Grenzen des Gebietes, das im folgenden besprochen werden soll, sind: Im Süden die Grenze zwischen Kristallin und Trias, eine Linie, die ziemlich gerade, ungefähr von Livigno in Oso-Richtung nach Bormio verläuft.