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Die Förderung des geologisches Unterrichts an den höheren Lehranstalten.

Fricke, K.

Kurzfassung

Die Geologie ist ein unentbehrlicher Bestandteil des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Als Lebte von der Entwicklung unserer Erdrinde, von der Entstehung der Gebirge und Meere, der Gesteine, der Erzlagerstätten usw. ist ihre Kenntnis für alle Gebildeten von Bedeutung. Den biologischen Wissenschaften gibt sie durch Betonung des entwicklungsgeschichtlichen Moments den Charakter einer wirklichen Naturgeschichte. Andererseits setzt die Geologie ebensowohl Kenntnisse aus der Physik, Chemie und Mineralogie wie auch aus der Zoologie und Botanik voraus, so daß ein fruchtbarer Unterricht in der Geologie nur in Verbindung mit den genannten Wissensgebieten denkbar ist. An der Hand der geschichtlichen Entwicklung des höheren Schulwesens wird gezeigt, daß der naturgeschichtliche Unterricht zu allen Zeiten einen schweren Stand gehabt hat und wiederholt zugunsten des fremdsprachlichen Unterrichts gekürzt wurde. Eine Aussicht auf ausgiebige Verwertung des naturwissenschaftlichen Wissensbereiches, insbesondere auch der Geologie, der eine unvergleichliche Kraft der Aufklärung innewohnt, bietet sich in Preußen erst seit der Schulreform von 1900, durch die neben dem humanistischen Gymnasium auch das Realgymnasium und die Oberrealschule nicht nur als gleichwertig, sondern jetzt auch im wesentlichen als gleichberechtigt anerkannt wurden. Auch in diesen Realanstalten, die von vornherein den Naturwissenschaften einen breiteren Spielraum gewährten, wurde im Jahre 1879 der biologische und geologische Unterricht aus den oberen Klassen wieder entfernt. Seit dem Jahre 1901 gelang es durch wiederholte und nachdrückliche Kundgebungen auf den Naturforscherversammlungen zu Hamburg, Cassel und Breslau, die Aufmerksamkeit der Schulbehörden und weiter Kreise der Gebildeten, auf die hohe wirtschaftliche wie erzieherische Bedeutung dieser Zweige der Naturwissenschaft zu lenken.