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Den Rückzug des diluvialen Inlandeises aus dem mittleren Norddeutschland.

Solger, Friedr[ich]

Kurzfassung

Unter den mancherlei Fragen, die die allgemeine Betrachtung des norddeutschen Diluviums bietet, hat die nach dem Wege, auf dem sich das Eis zurückgezogen hat, früh die Aufmerksamkeit der Forscher erregt, zunächst im Zusammenhange mit der Entstehung unseres norddeutschen Flußnetzes. Sofort nach dem Siege der Glazialtheorie erkannte Behrendt, daß jene eigentümlichen Pforten zwischen den Systemen der großen norddeutschen Ströme, wie wir sie bei Eberswalde, Müllrose, u.a. O. finden, nur im Zusammenhange mit dem Eisrückzuge erklärt werden könnten. Die gänzlich veränderten Abflußverhältnisse gegenüber der Jetztzeit, die ein Hinüberdringen des Oderwassers zur Elbe bei Müllrose und Eberswalde oder des Weichselwassers zur Oder bei Bromberg voraussetzt, sind zweifellos nur denkbar unter den besonderen Bedingungen, die das Auftreten großer Schmelzwassermengen bei gleichzeitiger Absperrung gewisser heute offener Wege durch das damals noch vorhandene Eis schuf. Die Benutzung der Pforte von Eberswalde durch Wasser aus dem heutigen Odergebiet ist nur denkbar, wenn der ungleich tiefere Abflußweg nach Norden damals noch durch das Eis verschlossen war. Ähnlich verhält es sich bei Bromberg, und als Behrendt diese beiden Pforten durch sein Thorn-Eberswalder Tal verbunden hatte, lag es nahe, auch die beiden dazu gehörigen Eisrandlagen zu verbinden und eine zusammenhängende Linie des damaligen Eisrandes nördlich des ganzen Tnorn-Eberswalder Tales anzunehmen. Weiter südlich unterschied Behrendt dann noch das Berlin - Warschauer und das Glogau-Baruther Tal, und schon 1879 schrieb er mit Bezug auf die zwischen diesen Tälern gelegenen Geländewellen.