Original paper

Über das Steilufer der Rügener Kreide

Jaekel, Otto

Kurzfassung

Darauf sprach Herr Jaekel über das Steilufer der Rügener Kreide und legte ein Bild des Steilufers von Saßnitz bis Stubbenkammer vor, das in 9 Blättern im natürlichen Verhältnis von Höhe und Länge ein vollständiges Bild dieses gewaltigen etwa 10 km langen Aufschlusses bietet. Die darin aufgeschlossenen Schichten bestehen aus senoner weißer Schreibkreide und diluvialen Schichten. Das tektonische Verhältnis der durch Feuersteinlagen klar geschichteten Kreide zu dem Diluvium hat schon viele Diskussionen hervorgerufen, an denen sich namentlich die Herren Tullberg, Berendt, Baltzer, Archibald Geikie, Cohen, Deecke, Rudolf Credner, Wahnschaffe, Philippi beteiligt haben. Der Vortragende hat nun eine vollständige Aufnahme dieses Ufers durchgeführt, teils um die fraglichen, bisher nur an einzelnen Stellen untersuchten Schichten in toto übersehen und klarerstellen zu können, teils um bei der starken Zerstörung des Ufers durch die Wellen der Ostsee den gegenwärtigen Zustand einmal aktenmäßig festzulegen. Aus dieser Darstellung ist nun ohne weiteres ersichtlich, was auch durch die neueren Untersuchungen einwandsfrei festgestellt war, daß das ältere Diluvium konkordant auf der früher einmal horizontalen Kreide abgesetzt sein mußte, und daß die späteren Dislokationen die Kreide und das ältere Diluvium in gleicher Weise gestört haben. Da das jüngere Diluvium diese bereits gestörten Schichten diskordant überlagert, ist der interglaziale Zeitpunkt der Dislokationen einwandsfrei festgestellt. Sehr viel schwieriger ist dagegen die Deutung der Dislokationen selbst. Man muß bei ihrer Beurteilung zunächst festhalten, daß das Steilufer in gerader Ansicht, wie sie auch in den Bildern zum Ausdruck kommt, kein Profil ist, sondern die dislozierten Schollen in sehr schrägem Winkel schneidet.