Original paper

Über das Problem der Schichtung und über Schichtbildung am Boden der heutigen Meere.

Philippi, Emil

Kurzfassung

Es ist eine bekannte Erscheinung, daß man an Gegenständen, mit denen man frühzeitig vertraut geworden ist und die man täglich vor Augen hat, häufig vorübergeht, ohne über ihr Wesen und ihre Entstehung tiefer nachzudenken. So scheint es auch uns Geologen mit der Schichtung zu gehen. Wir haben in den ersten Stunden des geologischen Unterrichts gelernt, daß die Schichtung ein bezeichnendes Merkmal der meisten Sedimentgesteine darstellt. Seitdem haben wir diesen Satz durch zahllose Beispiele in der Natur bestätigt gefunden und uns daran gewöhnt, die Schichtung der Sedimente als etwas Gegebenes, fast Selbstverständliches, anzusehen. Eine einfache Überlegung zeigt, daß die Schichtung keineswegs etwas so Selbstverständliches ist. Die Schichtung beruht auf Unterbrechung oder Veränderung des Sedimentabsatzes; es müssen demnach einzelne von den Faktoren, welche die Sedimentierung bedingen, einem verhältnismäßig raschen Wechsel unterworfen worden sein. Solange die Sedimentablagerung unter gleichen Bedingungen stattfindet, tritt keine Schichtung ein. Über die tieferen Ursachen, die der Schichtung zugrunde liegen können, geben unsere Lehrbücher meist wenig Aufschluß. Im allgemeinen begnügen sie sich damit, das Phänomen der Schichtung zu beschreiben. Sämtliche Erscheinungen, die sich an Schichten beobachten lassen, z.B. diskordante Parallelstruktur, Auskeilen, Skulpturen der Schichtoberflächen werden meist recht eingehend besprochen; auf die Ursachen der Schichtung wird entweder gar nicht eingegangen, oder es wird kurz darauf hingewiesen, daß sich im allgemeinen Schichten so bilden mögen wie etwa am Boden eines Binnensees, in den Flüsse je nach der Höhe ihres Wasserstandes bald gröberes, bald feineres Material hineintragen. Es liegt auf der Hand, daß eine solche Erklärung nicht erschöpfend sein kann.