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Über die Diamantablagerungen bei Lüderitzbucht

Lotz, H.

Kurzfassung

Im Mai des Jahres 1908 fand ein aus der Kapkolonie stammender Eingeborener, der im Dienst der Firma Lenz & Co. mit andern zusammen unter Aufsicht des Vorarbeiters Mrokon die Bahnstrecke östlich Lüderitzbucht von den Sandverwehungen reinigte, beim Wegschaufeln des Sandes einen Diamanten. Naturgemäß begegnete er mit seinem Fund großem Unglauben, obwohl er von einer früheren Tätigkeit in Kimberley her Diamanten zu kennen glaubte. Der auf Station Grasplatz im Wanderdünengebiet stationierte Bahnmeister Herr Stauch, dem der Fund gemeldet wurde, stellte Nachforschungen an; es fanden sich nach und nach mehr. Telegraphisch bei der Niederlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika bestellte Schürfpfähle sicherten den Fund, der sich jedoch nicht allzu lange heimlich halten ließ. Um Mitte Juni setzte die allgemeine fieberhafte Suche ein, nachdem es dem obengenannten Herrn Stauch gelungen war, eine große Zahl guter Schürffelder für sich und die ihm verbündeten Herren abzustecken. Bergrechtlich gehörte das Gebiet der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, jener bekannten Nachfolgerin von Lüderitz. Seit langem hat sie in ihrem Gebiet Schürffreiheit unter angemessenen Bedingungen erklärt. Dafür, daß durch die Staatsbahn Lüderitzbucht-Keetmanshoop auch ihr Gebiet wirtschaftlich erschlossen wird, hat sie an den Fiskus links und rechts der Bahn, beginnend bei km 16,5, Blöcke abgetreten von 10 km Breite und 30 km Längenerstreckung, in denen der Fiskus das Bergregal und teilweise auch die Grundrechte ausübt. Nach den früheren Anschauungen über den Wert des Wüstengürtels hat wohl niemand diesen Abtretungen irgendeinen Wert beigelegt. Durch den Diamantfund sind sie auf einen Schlag ein vorläufig unschätzbarer Besitz geworden.