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Geologische und geomorphologische Terrassenstudien.

Oestreich, K.

Kurzfassung

Mehrere, von verschiedenen Seiten als Kritik meiner Arbeiten aufgefaßte Bemerkungen C. Mordziols machen es mir zur Pflicht, dem Erscheinen der weiteren Fortsetzung meiner ,Studien über die Oberflächengestalt des Rheinischen Schiefergebirges" vorgreifend, auch meinerseits dem Leserkreis der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft einige historische Bemerkungen zu unterbreiten. Als ich während der Herbstmanöver 1900 Gelegenheit hatte, den nördlichen Taunus kreuz und quer zu durchstreifen, wurde mir klar, daß die Oberflächenformen dieses Teiles des Rheinischen Schiefergebirges die einer gehobenen und zerschnittenen Peneplain sind. Abebnung zur Peneplain, Aufwölbung der Oberfläche und, dadurch bedingt, Einsinken des Rheins und Entstehung der Durchbruchsschlucht, das waren die Gedanken über die Entstehung des Rheinischen Schiefergebirges in seiner heutigen Gestalt, die ich bereits 1902 in meiner Probevorlesung vor der Fakultät in Marburg entwickelte. An ein eingehenderes Studium dieser Oberflächenformen ging ich aber erst, seit ich auf den von Th. Fischer geführten Studienausflügen auf die Hochfläche der Vordereifel aufmerksam wurde und sie aus morphologischen Gründen sowie wegen ihrer Bedeckung mit Fluß- und Seeablagerungen als ein Stück, von der Mosel unabhängiger Landoberfläche erkannte, kurz als eine gehobene Peneplain, und zwar aus der Zeit zwischen den oligo-miocänen Seebildungen und darauf folgender Störungsperiode einerseits, dem Einsinken der Mosel in diluvialer Zeit andererseits. Also wahrscheinlich pliocän!: ein Stück aus einem älteren Zyklus stammender Landoberfläche, das nicht die durchsunkene Terrasse eines noch bestehenden Flusses darstellte, wie die schon vorher durch E. Kaiser bekannt gewordene pliocäne Kieseloolithschotter-Terrasse an Mosel und Niederrhein.