Original paper

Über die Entstehung der schleswigschen Förden.

Wolff, W.

Kurzfassung

Die Entstehungsgeschichte der schleswigschen Förden birgt ein Rätsel, das auch in ändern Talbildungen der Ostseeumrandung dem Forscher entgegentritt. Die Förden und viele andere Täler sind radiale Schmelzwasserrinnen aus der letzten Eiszeit. Daran ist kein Zweifel. Aber ihr Talboden steigt nach der vormaligen Eisgrenze an; das ist das Merkwürdige. Wie ist das zu erklären? Struck, der sich als letzter mit der Entstehung der schleswigschen Förden beschäftigt hat (Mitt. geogr. Gesellsch. Lübeck, 2. Reihe, H. 21, 1906) brachte den Nachweis, daß westlich der Endmoränen-Wasserscheide, die den Innenwinkel der Förden eng umschließt, alte, flache Schmelzwasserrinnen in der Richtung der Förden durch die großen Vorsand-Heiden laufen. Er meint, daß die Umkehrung des Gefälles nach Osten, die den Förden im Gegensatz zu jenen Entwässerungsrinnen eigen ist, erst in der Zeit der Litorinasenkung eingetreten sei. Das Land habe sich vom Mittelrücken aus nach beiden Meeren gesenkt, je ferner dem Mittelrücken, desto stärker. Ein Beweis für diese Erklärung läßt sich aber nicht erbringen. Wir wissen nur, daß nach Lage der Alluvialbasis beide Küsten gleichermaßen gesunken sein dürften, und zwar um mehr als 20 m. Wir wissen ferner, daß diese Senkung nach Westen und Osten außerordentlich weit reichte und den Charakter einer großen, einheitlichen Krustenbewegung hatte, innerhalb welcher Teilbewegungen (Schollenverschiebungen) höchstens eine untergeordnete Rolle spielten. Daß sie ganz ausgeschlossen waren, kann man freilich auch nicht behaupten. Klose, Deecke u.a. nehmen sie für gewisse Gebietsteile entschieden in Anspruch.