Original paper

Über zwei neue altplistocäne Formen von Cervus.

Pohlig, Hans

Kurzfassung

Die von mir geleiteten Ausgrabungen in der sizilischen Elefantengrotte von Carini erstreckten sich auf das, was die in dieser Hinsicht übersättigten Palermitaner übriggelassen hatten: auf die untersten, tiefsten Schichten der Grotte Pontale. Es ergab sich aus dem gänzlichen Abräumen dieser Lagen, daß unter den Anhäufungen von Resten des Elephas Melitae, Bos primigenius, Cervus Siciliae Pohl., Bison Siciliae Pohl. noch eine Ablagerung spurweise vorhanden war, deren Säugetierknochen schon durch ihren Erhaltungszustand auf ein höheres geologisches Alter schließen lassen. Zu diesen Überbleibseln aus der tiefsten Höhlenschicht gehört das in der hier beigefügten Figur 1 abgebildete Geweihstück, das, nach Art der tertiären Hirschhörner erhalten, unter erheblicher Gewichtszunahme steinartig geworden ist; dagegen unterscheiden sich die Geweihreste der höheren Grottenlagen, also alle andern dort gefundenen, in Gewicht und Substanz wenig von rezenten. Vor allem stammt außerdem das Original zu Figur 1 von einer offenbar geologisch älteren, in den oberen Höhlenschichten nicht nachgewiesenen Spezies her, die solchen des Norfolkium am nächsten steht, während die Fauna der ersteren derjenigen des Taubachium ganz nahe steht. Es geht daraus hervor, daß die Höhle von Carini zwei geologisch verschiedenaltrige Ablagerungen enthielt, eine jüngere aus dem helvetischen Interglazial und die letzten Reste einer älteren aus dem norfolkischen Interglazial. Das abgebildete linksseitige Stangenfragment rührt von einer Abart des Cervus euryceros (seu megaceros) mit deutlich diminutivem Gepräge her.