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Beitrag zur Kenntnis präoligocäner und cretacischer Gebirgsstörungen in Braunschweig und Nord-Hannover.

Harbort, E.

Kurzfassung

In den letzten 8-9 Jahren hat sich die Erkenntnis, daß die Entstehung unserer mitteldeutschen Gebirge nicht allein in die jungtertiäre, miocäne Zeit fällt, wie man lange Zeit annahm, sondern bereits im Mesozoicum begann, allmählich immer mehr Bahn gebrochen. Es waren vor allen Dingen die zahlreichen, höchst bedeutsamen Arbeiten Stilles und eine Arbeit von Brandes, in denen darauf hingewiesen wurde, daß schon während mehrerer Perioden des Mesozoicums Gebirgsbildungen in Norddeutschland vor sich gegangen waren. Neuerdings häuften sich dann die Mitteilungen über vortertiäre Schichtenstörungen derart, daß es heute nicht wohl mehr angeht, das mesozoische Zeitalter als eine Zeit der Kühe zu bezeichnen, wie man früher allgemein es zu tun geneigt war. Ich erwähne nur kurz die Beobachtungen, welche in dieser Beziehung durch die Herren Grupe, Wegener, Mestwerdt, v. Linstow, Haarmann, v. Koenen, Schröder, Menzel, Scholtz, Bärtling u.a. gemacht worden sind. Besonders erwähnt sei noch der auf der diesjährigen Hauptversammlung gehaltene Vortrag von E. Phlippi: ,Die präoligocäne Abtragungsfläche in Thüringen, ihr Verhältnis zu den Dislokationen und dem Flußnetz." Durch alle diese Arbeiten wurden, kurz zusammengefaßt, hauptsächlich drei präoligocäne und postcarbonische Störungsperioden nachgewiesen; nämlich eine gegen Ende der Jurazeit, eine zweite zur Einscher- bezw. Senonzeit und eine dritte während der Eocänzeit. Bei der Wichtigkeit, welche die Frage nach der Kenntnis voroligocäner Gebirgsstörungen für das Studium des Gebirgsbaues in Norddeutschland besitzt, möchte ich gleichwohl einige weitere Beobachtungen über voroligocäne Schichtenverschiebungen mitteilen, z. T. auch aus dem Grunde, weil sie ein gewisses historisches Interesse beanspruchen.