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Über die Nordostgrenze der deutschen Kreide.

Jentzsch

Kurzfassung

In Deutschland lassen sich nach E. Kayser folgende 5 Verbreitungsgebiete der Oberen Kreide unterscheiden: Das Aachener, das nordwestdeutsche, das sächsisch-böhmische, das oberschlesische und das baltische, zu welchem außer den kleineren Kreide-Partien von Rügen, an der Odermündung, in Pommern, Mecklenburg, Holstein, bei Lüneburg usw. auch die ausgedehnteren Vorkommen auf den dänischen Inseln und im südlichen Schweden gerechnet werden. Hinsichtlich der Tagesaufschlüsse ist diese Aufzählung gewiß zutreffend. Berücksichtigt man aber auch die unterirdische Verbreitung, was für eine richtige Auffassung der Gesamtentwicklung einer Meeresablagerung doch notwendig geschehen muß, so zeigt sich, daß die meist wenig beachtete nordostdeutsche Kreide nach ihrer Fläche und Mächtigkeit, mithin auch nach ihrer Gesamtmasse eines der bedeutendsten Kreidegebiete Deutschlands darstellt. Ihre Verbreitung, soweit sie am Schlüsse des vorigen Jahrhunderts bekannt war, ersieht man aus der vom Verf. vor 10 Jahren entworfenen Karte. Nach dieser umfaßt das Kreidegebiet östlich einer von Thorn über Schwetz an der Weichsel und Pr.-Stargard zum Westrande der Danziger Bucht gezogenen Nordsüdlinie den größten Teil Ost- und Westpreußens von der Ostsee südwärts bis zu der von Berlin nach St. Petersburg führenden Schnellzugsbahn Thorn-Insterburg-Eydtkuhnen, greift über letztere südwärts hinaus noch bis Darkehmen und reicht nordwärts auf deutschem Gebiete bis Ibenhorst (dem bekannten Standorte des Elchwildes), auf russischem Gebiete bis Tauroggen. Dies ergibt allein auf deutschem Boden eine Erstreckung von 330 km bei 110 km mittlerer Breite, also 36000 Geviertkilometer Fläche - mehr als die Königreiche Sachsen und Württemberg zusammengenommen!