Original paper

Über die Existenz einer höheren Überschiebungsdecke in der sogenannten Sedimenthülle des Adula-Deckmassivs (Graubünden).

Wilckens, Otto

Kurzfassung

Man hat früher das Gneis- und Glimmerschiefergebirge der Adula für ein normales, wurzelndes Massiv gehalten, dessen Oberfläche ganz wie diejenige des Aar- und des Gotthardmassivs in östlicher Richtung untersinkt. Auf den altkrystallinen Gesteinen läge - so war die Ansicht - normal eine Schichtfolge jüngerer Sedimente, die mit etwas Verrucano begänne und weiter aus triadischem Röthidolomit und jurassischen Bündner Schiefern bestände. Die Deckentheorie des alpinen Gebirgsbaus und die Untersuchungen am Simplen haben dann eine andere Deutung des vermeintlichen ,erstaunlich regelmäßigen, breiten Adulagewölbes" herbeigeführt: Man betrachtete es nunmehr als den Kern einer großen liegenden Falte. Heim hat eine dieser Auffassung entsprechende Profilserie durch Molare-, Adula-, Tambo- und Surettamassiv entworfen, von der in Fig. 1 ein Teil wiedergegeben ist. Durch Auffindung von Schichten krystalliner Dolomite und Kalke (Mesozoicum) im Zapport, dem obersten Hinterrheintal, tief unter den Gneisen der Adula im Jahre 1906 konnte ich für diese neue Anschauung eine Stütze in den geologischen Tatsachen beibringen. Die breite Zone von Bündner Schiefern, die in der Kette des Piz Aul einerseits, im Zuge des Valser-, Bären- und Weißensteinhornes anderseits eine gewaltige Entwicklung erreicht, galt bis heute als die sedimentäre Bedeckung des Gneiskernes der Aduladeckfalte. Bei der Betrachtung der Heimschen Karte der Hochalpen zwischen Reuß und Rhein erhält man den Eindruck, daß sich auf den Adulagneis und -glimmerschiefer (abgesehen von dem nur am Ostrand des Massivs auftretenden Verrucano) erst Röthidolomit, dann mannigfaltige Bündner Schiefer mit Einschaltungen geschieferter basischer Eruptiva auflegen, und daß diese Schichtserie, nachdem sie die große Mulde von Vrin (den nordöstlichsten Teil der Bedrettomulde) gebildet hat, als Mantel des Gotthardmassivs wieder aufsteigt.