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Über die Axinitvorkommnisse von Thum in Sachsen und die Bedingungen der Axinitbildung überhaupt.

von Hoerner,Thomas

Kurzfassung

Einleitung: Bevor wir uns einer spezielleren Beschreibung der Thumer Axinitvorkommen zuwenden, sei hervorgehoben, daß alle folgenden Ausführungen einem Versuche dienen sollen nachzuweisen, wie weit die in recht zahlreichen Einzelfällen festgestellte Entstehungsweise dieses Minerals - nämlich auf dem Wege der Pneumatolyse - als allgemeingültig angesehen werden darf; ferner auch an der Hand von Beispielen, namentlich solcher aus dem Erzgebirge, darzutun, inwiefern eine gewisse Gesetzmäßigkeit sich in der Art des Auftretens von Axinit überhaupt zu offenbaren scheint. Nach der Theorie, welche die Entstehung unseres Minerals pneumatolytischen Prozessen zuschreibt, sind es dampfförmige borsäurehaltige Verbindungen, die, unten näher erörterten Quellen entstammend, Gelegenheit fanden, auf gewisse vorwiegend kalkreiche Gesteine einzuwirken und so zu dieser sekundären Mineralneubildung an geeigneten Orten Veranlassung gaben. Die chemische Formel lautet R7 Al4 B2 (Si O4)8, worin das zweiwertige R vorwiegend Ca, auch Fe mit etwas Mn, Mg, H2, sein kann; äußerst geringe Mengen von Alkalien werden auch angegeben. Diese Formel ist nach Analysen des Axinits von Bourg d'Oisans durch W. E. Ford berechnet, wonach im Mittel in % gefunden wurden: Si O2 ... 42,78 Al2 O3 ... 17,67 B2 O3 ... 6,12 Fe2 O3 ... 0,99 Fe O ... 6,02 Mn O ... 2,99 Ca O ... 20,16 Mg O ... 2,41. H2 O ... 1,40 (chemisch gebunden). Die Pneumatolyse wird von Brauns unter der Überschrift: ,Plutonische Exhalationen und die daraus gebildeten Mineralien" behandelt. Wenn hier als ein an saure Eruptivgesteine, hauptsächlich Granit, geknüpftes Exhalationsprodukt in erster Linie der Zinnstein mit seinen bekannten Begleitern genannt wird, so mag dessen Bildung als allgemeines Schema für die hier vorausgesetzten Vorgänge dienen. ,Die Entstehung dieser Mineralien haben schon Elie de Beaumont und Daubrée in befriedigender Weise durch die Annahme erklärt, daß flüchtige Fluor- und Borverbindungen nach dem Emporsteigen des Eruptivgesteins in das Nebengestein eingedrungen seien und durch pneumatolytische Prozesse zur Bildung jener Mineralien geführt haben.