Original paper

Zur Geologie des südlichen Graubündens.

Meyer, Hermann L. F.; Welter Otto A.

Kurzfassung

Im Frühjahr und Herbst 1909 haben wir über die Geologie der Berge östlich und westlich des Schamser Tales im südlichen Graubünden zwei Spezialarbeiten veröffentlicht. Nachdem sich dadurch ergeben hat, daß der komplizierte Bau beider Talseiten durch das Auftreten der lepontinischen Überschiebungen bedingt ist, möchten wir jetzt in einigen Profilen unsere Resultate zusammenfassen. Wir glauben dies um so eher tun zu müssen, als unsere Auffassung mit derjenigen C. Schmidts (S. 574) in Widerspruch steht; sollen doch nach diesem Autor die lepontinischen Becken zum Teil in der Rheintalnarbe versenkt liegen und demnach südlich des Rheintales nicht mehr auftreten können. Figur 1 soll die Verhältnisse unseres engeren Arbeitsgebietes darstellen. Die obere Hälfte Piz Toissa-Piz Alv umfaßt die Aufnahmen von H. Meyer, die untere P. Tarantschun bis Suretta-Massiv die von O. Welter. Wir haben geglaubt, uns möglichst eng an die Darstellung des Suretta-Massives halten zu sollen, die Alb. Heim im Jahre 1906 gegeben Wir wollen damit zugleich zeigen, wie sehr seine Zeichnung auch ohne Spezialaufnahme den Kern der tektonischen Verhältnisse dargestellt hat. Das tiefste tektonische Element unserer Skizze stellen die Bündner Schiefer dar, als deren jüngste die Kreideschiefer der Via Mala zu gelten haben. Wir bezeichnen sie als ,Bündner Schiefer des basalen Gebirges"; ihre nähere tektonische Stellung kann uns im Augenblick nicht interessieren. Auf die basalen Schiefer legt sich im anormalen Verbande die große, nach Norden übergelegte Antiklinale des Suretta-Massives. In dem hier vorliegenden nördlichen Ende besteht das Massiv aus Rofnaporphyr (Gneiss) der im Süden unter dem Piz Grisch auf Glimmerschiefern ruht. (Auf unserem Profile nicht dargestellt.) Zum normalen Hangenden des Massives gehört Trias in inneralpiner Facies, Rötidolomit und Rauchwacke, und darüber dunkle, wohl jurassische Schiefer mit vereinzelten Grünschiefern.