Original paper

Über ein neues ausgedehntes diluviales Kalklager bei Gr.-Drewitz unweit Guben.

von Wichdorff., Hess

Kurzfassung

Ungefähr 10 Kilometer von der Kreisstadt Gaben entfernt liegt das Rittergut Gr.-Drewitz inmitten einer weiten vorwiegend kiesig-sandigen Gegend. Von dem nordwestlich vom Rittergut gelegenen Göhlen-See zieht ein schmaler Talgrund durch den Gr.-Drewitzer Wald entlang nach dem benachbarten Krayne zu der die abfließenden Gewässer des Sees zur Neiße und bald darauf in die Oder führt. In diesem engen Tälchen war seit langen Zeiten an dem östlichen Steilhang ein etwa 200 m langes Vorkommen von anstehendem Kalk bekannt, das bereits vor Jahrzehnten zur Anlage des noch vorhandenen Kalkofens führte. Dieser Aufschluß würde noch heute geologisch schwer zu deuten sein, wenn nicht der frühere Besitzer von Gr.-Drewitz, Rittergutsbesitzer Schulz-Grano, eine genaue Untersuchung und Aufschließung des ganzen Kalkvorkommens mit großem Interesse in die Hand genommen hätte. Abgesehen von einer Reihe anderer Maßnahmen ließ er im Jahre 1907 von dem Bergtechniker L. Tralls in Kottbus und J. Tralls in Gaben das gesamte kalkführende Gelände sachgemäß abbohren: hierdurch wurde die Ausdehnung und Mächtigkeit des ganzen Kalkvorkommens festgestellt. Auf Grund eigener Untersuchungen sowie der Trallsschen Arbeiten, deren absolute Zuverlässigkeit durch zahlreiche Nachprüfungen einwandfrei festgestellt wurde, läßt sich nunmehr ein genaues Bild des Gr.-Drewitzer Kalkvorkommens geben und auch Alter und Entstehung dieser bisher größten diluvialen Kalkablagerung näher Beurteilen. Das Kalklager von Gr.-Drewitz ist außerordentlich regelmäßig abgelagert und zeigt noch heute die wannenförmige Ausbildung, die allen auf dem Grunde von Seen zum Absatz gelangten Seekalklagern eigen ist. Die Oberfläche des Lagers ist fast in seiner ganzen Ausdehnung durchaus horizontal, nur am Westrande scheint eine nachträgliche Auf Stauchung der randlichen Partien erfolgt zu sein.