Original paper

Bemerkungen zur Rekonstruktion eines Flugsaurier - Skelettes.

Stromer, Ernst

Kurzfassung

Wenn man absieht von den Rekonstruktionen, die Seeley von den Pterosauriern machte, und die großenteils vor allem Heiterkeit zu erwecken geeignet sind, so hat neuerdings nur Williston eine Skelettrekonstruktion eines Flugsauriers, des obercretacischen Nyctodactylus, gefertigt. Plieninger, der sich des öfteren und eingehend mit der Gruppe beschäftigte, und der so viele prächtige Skelette studieren konnte, hat leider nicht den Versuch dazu gemacht, obwohl er dabei den Lesern seiner Abhandlungen und vor allem auch sich selbst über manche wichtige Fragen Klarheit zu verschaffen gezwungen gewesen wäre. Für mein Lehrbuch der Paläozoologie mußte ich trotz mangelnder spezialistischer Kenntnisse wagen, nach den in München befindlichen Exemplaren und nach der Literatur eine Rekonstruktion zeichnen zu lassen. Ich wählte dazu den besonders instruktiven und durch viele, z. T. ungewöhnlich vollständige Reste vertretenen Rhamphorhynchus Gemmingi H. v. M., wobei ich für die Proportionen eine Abbildung H. V. Meyers zugrunde legte. Ich ließ das Tier in halber Große von der Bauchseite gesehen und die Flügel seitlich halb zusammengefaltet zeichnen, um sie, die Gürtel und die Bauchrippen möglichst deutlich werden zu lassen. Die Stellung des hier in ein Drittel der natürlichen Größe abgebildeten Flugsauriers soll also keine natürliche sein, sondern die eines zu Schauzwecken aufgestellten Präparates. Die Zeichnung, die Fräulein E. Kissling unter meiner Leitung im hiesigen zoologischen Institute anfertigte, machte die größten Schwierigkeiten, obwohl ich nur Organe wiedergeben ließ, die fossil erhalten sind. Dabei glaube ich nun manches nicht Uninteressante gefunden zu haben, über das ich hier kurz berichten möchte. Vom Schädel ist nur zu bemerken, daß ich den Wechsel der auffällig schräg nach vorn gerichteten Zähne angeben ließ, die schnabelartigen Fortsätze der Kieferspitzen aber, die H. V. Meyer beobachtete, nicht zeichnen zu lassen wagte, weil ich mir über ihre ursprüngliche Form nicht klar wurde.