Original paper

Über den Roßberg bei Darmstadt.

Klemm, G.

Kurzfassung

Unter gleichem Titel hat Herr E. Becker in Heidelberg in dieser Zeitschrift mehrere Einwände gegen Beobachtungen über den Roßberg erhoben, die ich in einem Aufsatze ,über einige Basalte und basaltähnliche Gesteine des nördlichsten Odenwaldes" mitgeteilt hatte. Die hauptsächlichsten Gegensätze unserer beiden Anschauungen bestehen darin, daß Becker den Roßberg als eine ursprüngliche Kuppe betrachtet, ich dagegen als das durch Erosion etwas aus seinem Nebengestein herauspräparierte Ende eines Basaltschlotes, ferner daß er mindestens drei verschiedene, zum Teil durch spätere tektonische Vorgänge nebeneinandergerückte Basaltarten annimmt, während ich die verschiedenartige Ausbildungsweise des Basaltes an verschiedenen Stellen des Roßberges nur als schlierige Differentiation eines einheitlichen basaltischen Magmas betrachte. Was zunächst die äußere Form des Roßberges anbelangt, so kann ich dieselbe nicht als die ursprüngliche anerkennen, weil ich annehmen muß, daß seit der Eruption des Basaltes vom Roßberg eine so starke Erosion des ganzen Odenwaldes erfolgt ist, daß jede Spur der ursprünglichen, bei jener Eruption gebildeten Oberflächenformen zerstört worden ist. Wir kennen im Odenwalde eine ganze Reihe wahrscheinlich etwa gleichalteriger Basaltvorkommen, aber kein einziges läßt sich als ein Rest eines Stromes oder einer Decke oder Kuppe deuten, alle vielmehr nur als Schlot- oder Gangbasalte. Durch Salomon und Freudenberg ist am Basalte des Katzenbuckels nachgewiesen worden, daß dort seit seiner wohl im Miocän erfolgten Eruption ein Schichtenkomplex von mindestens 540 m Mächtigkeit abgetragen wurde. Ebenso ist es wohl allgemein anerkannt, daß auch das Vulkangebiet des Vogelsberges, das vielleicht noch etwas jünger ist als das des Odenwaldes, eine sehr starke Erosion erfahren hat, so daß man wohl annehmen darf, daß auch der nördliche Odenwald nicht unberührt von einer solchen geblieben sein kann.