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Doppelte Lobenlinien bei Ceratiten

Haarmann, E.

Kurzfassung

Obwohl doppelte Loben bei Ceratiten schon beschrieben worden sind, so ist diese Erscheinung doch vielen wohl deswegen unbekannt, weil sie nie gut abgebildet worden ist. Es dürfte daher von Interesse sein, Abbildungen und erläuternde Bemerkungen zu geben, besonders da noch ergänzende Beobachtungen gemacht werden konnten. Viele Ceratiten des deutschen Muschelkalks zeigen wie aus den Abbildungen zu ersehen ist, außer einer auf dem Steinkern vertieft erscheinenden Sutur, die der Anwachslinie der Kammerwand an der Schale, d.h. der ,Normalsutur" entspricht, eine oft als feiner Grat aus dem Steinkern hervortretende, kalkig-krystalline Lobenlinie, welche die erstere kreuzt. Sie verläuft gerader als die Normalsutur, jedoch in ihren flacheren Windungen dieser entsprechend; an den Loben zeigt sie keine Zähnelung, wie sie bei der stärker gewundenen Lobenlinie oft deutlich zu beobachten ist. Offenbar ist die kalkige Suturlinie ein der Medianebene des Ceratiten näher als die ursprüngliche Oberfläche liegender Schnitt durch die nach innen flacher werdende Kammerwand, während die Normalsutur gewissermaßen als Projektion der Oberflächenlinie quer durch den Steinkern, d.h. senkrecht zur Richtung des Sipho, erscheint. Der Ceratit kann also seine ursprüngliche, durch die Schale bestimmte Dicke nicht mehr haben, und es fragt sich, wie trotzdem das Bild der Normalsutur erhalten bleiben konnte. O. C. Marsh fand als Ursache gleichmäßige Abwitterung, eine Erklärung, der wir durchaus beitreten müssen. Es ist von der Tatsache auszugehen, daß bei unverwitterten Ceratitensteinkernen die Lobenlinie vertieft erscheint. Das homogene Material des Steinkerns wurde dann so gleichmäßig verwittert, daß aus den Vertiefungen ebenso viel abgetragen wurde wie von der übrigen Oberfläche, und so blieben auch ihre feinsten Formen erhalten. Sogar stark abgewitterte Exemplare zeigen das Bild der eigentlichen Lobenlinie in ausgezeichneter Schärfe.