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Die Frage der neuzeitlichen Senkung der deutschen Nordseeküste

Schucht, F.

Kurzfassung

Die deutsche Nordseeküste hat sich in postglazialer Zeit um mindestens 20 m gesenkt. Den Beweis dafür liefern die unter Schlick begrabenen Moore und Wälder, die wir in den Marschen und Watten von Schleswig-Holstein bis zu den Niederlanden bis etwas über 20 m unter N.N. vorfinden. Die Bildung dieser Moore und Wälder dauerte bis zum Beginn der Litorinasenkung, in deren Verlauf dann die genannten Bildungen in ihr jetziges Niveau gelangten. Die Litorinasenkung hat jedoch in der jüngsten Alluvialzeit einen Stillstand erfahren. Die Beobachtungen und Untersuchungen, die für diesen neuzeitlichen Stillstand in der Küstensenkung sprechen, sind folgende: Die Pegelbeobachtungen, soweit sie einwandfrei sind, sowie die in den letzten Jahrzehnten ausgeführten Feinnivellements lassen für die allerdings kurze Beobachtungsfrist auch nicht die Spur einer Verschiebung zwischen Küste und Mittelwasser der Nordsee erkennen. Auch die Höhenlage zahlreicher über 500 Jahre alter baulicher Anlagen, wie Leuchttürme, Siele usw., gibt keinen Anlaß zur Annahme einer Senkung. Ferner zeigen die in den letzten 500 Jahren eingedeichten Marschländereien unter sich keine wesentlichen Höhenunterschiede, was doch der Fall sein müßte, wenn in dieser Zeit eine Senkung stattgefunden hätte. Dort, wo in den alten Marschen auffallende Höhenunterschiede vorkommen, sind sie zum Teil von Natur vorhanden (Hoch- und Sietland usw.), zum Teil dadurch entstanden, daß sich die Böden im Laufe der Jahrhunderte verdichteten. Durch Entwässerung, Verwitterung, Raubbau usw. wurden den Schlickböden viele Stoffe entzogen, die zu einer Volumverminderung führten; tonige Böden sacken sich mehr als sandige usw. Besonders senkt sich ein Marschland dort, pro Moorbildungen in seinem Liegenden auftreten, infolge Zersetzung der Moorsubstanz und der Druckwirkung. Durch solche lokalen Senkungen, die oft 1-2 m betragen können, gelangen die Marschböden vielfach unter N.N.