Original paper

Über autoplaste (nichttektonische) Formelemente im Bau der Salzlagerstätten Norddeutschlands

Lachmann, R.

Kurzfassung

Die geologische Wissenschaft hat bisher die Tektonik der Kalilagerstätten vernachlässigt. Die Grundlagen: Plastizität der Salze und tertiäre Gebirgsfaltung, sind anfechtbar. Man bat die sehr bedeutenden Deformationen nicht berücksichtigt, welche seit der Ablagerung innerhalb der Salzlager durch molekulare Umsetzungen von chemisch-physikalischer Art hervorgerufen wurden. Vulkanische Schlagrisse im Werratal beweisen die Sprödigkeit der Zechstein-Salzplatte zur Miocänzeit. Diese Schlagrisse finden die hauptsächlichsten Deformationen auch bereits ausgebildet vor. Man kann unterscheiden zwischen horipolaren, vertipolaren, gyropolaren und apolaren Deformationen, je nach der Richtung der wirksamen Kraft. Die Deformationen der Zechsteinsalzlager sind überwiegend nicht horipolar, wie sie sein müßten, wenn sie durch tangentiale Gebirgsfaltung entstanden wären. Die Ursachen für eine autoplaste Deformation der Salzlager sind: 1. Diagenetisch. Kieseritlagen haben sich durch Krystallisationskräfte direkt nach der Ablagerung zusammengekrümmt. Salzdecken sind als Schollen zerbrochen und haben sich unter ungleicher Belastung mit Konkretionen verbogen. 2. Epigenetisch. Es spielen metasomatische Vorgänge eine Rolle bei der Neubildung von Carnallit, die in keinem Kalilager fehlt und fast stets mit Deformation verbunden ist; ferner bei der sogenannten Rekrystallisation bei welcher nach einer von Riecke angegebenen thermodynamischen Formel für die Deformation homogener Körper in Berührung mit flüssigen Phase dadurch Deformationen auftreten, daß vagabundierende Lösungsfeuchtigkeit in die schlecht gemischt Salzmassen eintritt, und durch Diffusion entferntere Salzmassen in molekularen Massenaustausch treten (Bildung von Lösung und Ausscheidungsräumen, aktive Rekrystallisation), daß ferner die dazwischenliegenden Massen durch passive Rekrystallisation sich nach den Lösungsräumen hinbewegen. Letzterer Vorgang ist bisher fälschlich der ,Plastizität" der Salze zugeschrieben worden.