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Über die Bedeutung postglazialer Klimaveränderungen für die Siedlungsgeographie.

Gradmann, Robert

Kurzfassung

Die Beziehungen zwischen den postglazialen Klimaveränderungen und der Siedlungsgeographie werden durch die Pflanzengeographie vermittelt. Ich nehme jedoch an, daß über den letzteren Gegenstand von anderer Seite eingehend berichtet wird, und will mich in dieser Hinsicht auf wenige Andeutungen beschränken. Bekanntlich bietet die Pflanzenverbreitung im mittleren Europa zahlreiche Erscheinungen, die sich nicht anders als durch Einflüsse vergangener Klimaperioden erklären lassen. Dazu gehört namentlich das erratische Vorkommen von Genossenschaften teils glazialen, teils östlichen und südlichen Charakters. Die Tragkraft derartiger Rückschlüsse schätze ich nicht hoch genug ein, um sie als selbständige Erkenntnisquelle für den Aufbau einer Geschichte der klimatischen Veränderungen seit der letzten Eiszeit anzuerkennen. Dazu gehen die Erklärungsversuche im einzelnen noch viel zu weit auseinander, und selbst die Möglichkeit einer ganz andersartigen Erklärungsweise darf keineswegs ohne weiteres von der Hand gewiesen werden. Gleichwohl dürften die Möglichkeiten einer Zurückführung der heutigen Pflanzenverbreitung auf geologische Vorgänge doch auch für die Geologie selbst nicht ganz ohne Bedeutung sein, aus dem allgemeinen Grund, weil jede Hypothese um so mehr den Charakter der Hypothese abstreift und sich der Theorie nähert, je mehr und je verschiedenartigere Erscheinungen sie zu erklären vermag, und aus dem besonderen, weil tatsächlich die Pflanzengeographie wiederholt in der Lage war, Hypothesen aufzustellen, die nachträglich von der Geologie bestätigt worden sind. Besonders bemerkenswert sind in dieser Hinsicht die Schicksale, die die These einer postglazialen xerothermen Periode im Lauf der Zeit zu erfahren hatte. Eine solche wurde zuerst von pflanzengeographischer Seite gefordert, nämlich von Anton Kerner auf Grund der isolierten Vorkommnisse südlicher Pflanzen in den Ostalpen.