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Die Veränderungen des Klimas seit der letzten Eiszeit.

Krause, Ernst H. L.

Kurzfassung

Zu der Frage des nacheiszeitlichen Klimas habe ich mich zuletzt in der Botanischen Zeitung (1909, Heft 8-9) geäußert. Unter dem Ende der letzten Eiszeit verstehe ich die Abschmelzperiode des ,Mecklenburgischen" (Geikie) Inlandeises und des Würmgletschers (Penck), den Beginn der Dryaszeit in den Ostseeländern und die letzte Phase der Magdalenischen Kultur in Oberdeutschland. Im Vergleiche mit der Eiszeit muß diese Periode unbedingt erheblich wärmer oder erheblich ärmer an Niederschlägen gewesen sein; wahrscheinlich trafen beide Momente zusammen. H. Brockmann-Jerosch veröffentlicht im 54. Jahrgang (1909) der Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich Funde, aus denen ich schließe, daß am Nordfuße der Alpen bereits eine recht anspruchsvolle Flora eingewandert war, während strichweise noch große Eismassen auf der nordschweizerischen Ebene lagen. Diese Erscheinung weist auf eine verhältnismäßig schnelle Klimaänderung. (Vgl. ev. die heutigen Zustände in Alaska.) - Im Norden folgt dem Eise zwar zunächst überall eine arktisch-alpine Landflora, aber die zugleich auftretenden Wasserpflanzen der flachen Seen sind klimatisch anspruchsvollere Arten. Es muß also auch dort das Klima wärmer gewesen sein, als die Dryasflora vermuten ließ. Die Inkongruenz zwischen Land- und Wasserflora ist aus der Beschaffenheit des gänzlich unaufgeschlossenen Bodens zu erklären; allgemein sehen wir in einem gegebenen Klima auf schlechtem Boden Vegetationsverhältnisse, welche in schlechterem Klima auf besserem Boden sich wieder finden. - Die Reihenfolge der postglazialen Landfloren wird im Norden bestimmt durch Dryas, Birke, Kiefer, Eiche, Buche bzw. Heidekraut. Nun ist nach Ausweis der Verbreitung in den Gebirgen die Buche Charakterpflanze eines kälteren Klimas als die Eiche. Und es entstand die Frage, ob in der Tat das klimatische Optimum für das postglaziale Mitteleuropa bereits eine vergangene Periode bildet, oder ob andere Faktoren die pflanzengeographischen Erscheinungen hervorbrachten, welche einer Klimaverschlechterung zu entsprechen scheinen.