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Was lehrt der Aufbau der Moore Norddeutschlands über den Wechsel des Klimas in postglazialer Zeit?

Weber, C. A.

Kurzfassung

Die Vorstellung, die ich mir von den Veränderungen des nach der letzten Eiszeit wieder gemäßigt gewordenen Klimas unseres Landes gebildet habe, knüpft an Beobachtungen an, die ich bei Untersuchungen über den Aufbau von Mooren Norddeutschlands gemacht zu haben glaube. Ich bin daher genötigt, zur Begründung meiner Meinung diesen Aufbau und die Umstände, die auf seine Gestaltung in Einzelfällen Einfluß haben, darzulegen, soweit es der zur Verfügung gestellte Raum gestattet. Bei Moorbildungen handelt es sich bekanntlich um die natürliche Aufhäufung toter Pflanzenmassen, die sich unter dem Einflüsse dauernder und mindestens zeitweilig großer Feuchtigkeit in Torf verwandeln. Durch die Aufhöhung wird die Lage der Oberfläche des Geländes zum Grundwasser oder zum Spiegel des den Boden bedeckenden Wassers geändert. Das Gewässer wird flacher, es wird endlich durch die organogenen Massen gänzlich ausgefüllt. Die Humusablagerung kommt aber, wenn diese Stufe erreicht ist, nicht zum Stillstand, sondern geht in unserm Klima weiter, so daß sich das Moor über den Spiegel des ehemaligen Gewässers beziehungsweise über den ursprünglichen Grundwasserstand erhebt, und seine Abwässerung erfährt eine entsprechende Änderung. Dieser Wechsel der Feuchtigkeitsverhältnisse bedingt einen Wechsel in der lebendigen Vegetationsdecke, in den Pflanzenvereinen, deren tote Reste das Moor bilden. Denn in flacher gewordenem Wasser können Pflanzen Fuß fassen, die in tieferm Wasser nicht zu gedeihen vermögen, und indem sie es tun, verdrängen sie die Pflanzen des tiefern Gewässers. Erhebt sich aber die Mooroberfläche über dessen Spiegel oder über den des Grundwassers, so treten noch andere Pflanzen auf, die weniger Nässe ertragen, und verdrängen die des seichten Wassers. Haben sie nun das Moor noch weiter aufgehöht, so daß die Wurzeln auch das im Boden kapillar aufsteigende Grundwasser während der warmen Jahreszeit nicht mehr genügend erreichen können, so werden sie selber wieder durch Pflanzen ersetzt, denen das Wasser der atmosphärischen Niederschläge zu ihrem Gedeihen genügt.