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Der Nachweis anstehender Malmkalke zwischen Tilsit und Memel.

Tornquist, A.

Kurzfassung

Die außerordentliche Einförmigkeit des vordiluvialen Untergrundes des östlich der Weichsel gelegenen Teiles von Westpreußen und der Provinz Ostpreußen wird dadurch deutlich charakterisiert, daß, abgesehen von einigen Resten tertiärer Schichten, überall, mit Ausnahme des nordöstlichsten Zipfels von Ostpreußen, die Kreideformation ansteht. Diese offenbar nahezu horizontal gelagerte große Kreideplatte steht in außerordentlich starkem Gegensatz zu der großen Mannigfaltigkeit der Zusammensetzung des westlich der Weichsel gelegenen vordiluvialen Untergrundes der norddeutschen Tiefebene. Außer vielen anderen Tatsachen spricht dieser Gegensatz dafür, daß wir unser östliches Gebiet mit Fug und Recht zur russischen Platte oder zum baltisch-russischen Schild rechnen können, während die zahlreichen Störungen in Vornehmlich hercynischer Richtung, welche den Westen durchziehen, eine wesentlich anders gebaute Scholle anzeigen, für die ich kürzlich die Bezeichnung ,saxonische Scholle" eingeführt habe. Die Mächtigkeit der östlichen Kreideplatte ist eine ziemlich große; sie wurde in dem fiskalischen Bohrloch von Heilsberg ausnahmsweise einmal durchsunken und beträgt dort nach den Feststellungen von P. G. Krause 338 m. Da in der Provinz meist nur wenig tiefe Wasserbohrungen ausgeführt werden und über der Kreide, abgesehen von dem meist ebenfalls vorhandenen Tertiär, noch ein mehr oder minder mächtiges Diluvium liegt, so ist es verständlich, daß die Unterlage der Kreide und die präcretaceischen Schichten in Ostpreußen nahezu unbekannt sind. Jeder Tiefenaufschluß, welcher über die Juraschichten eine Vorstellung gibt, ist deshalb von größtem Interesse. Das gilt daher auch von dem Aufschluß von Malmkalken, welcher kürzlich durch die Bohrung zur Wasserversorgung der Provinzial-Fürsorgeanstalt Gropischken zwischen Memel und Tilsit gemacht worden ist, und dessen Bohr-proben dem hiesigen geologischen Institut und der Bernsteinsammlung durch den Herrn Landesbauinspektor Kühl in dankenswerter Weise überwiesen worden sind.