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Die natürliche Veränderung von Vegetationsformationen und ihre fossilen Reste.

Graebner, P.

Kurzfassung

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es für den Pflanzengeographen, der sich mit der Entwicklung der Vegetationsdecke der Heimat beschäftigte, ein sehr fühlbarer Mangel, daß er aus der geologischen Kartierung der humosen Pflanzenreste so außerordentlich wenig für seine Zwecke erkennen konnte. Sehr oft war es unmöglich, auch nur annähernd ein Bild zu gewinnen von dem Aussehen, welches die Pflanzengemeinschaft gehabt hatte, die die betreffenden Reste ablagerte. Noch weniger war ein Schluß möglich auf die Ursachen der Veränderung, wenn mehrere verschiedene Schichten einander überlagerten. Nur wenige mitteleuropäische Schriftsteller, wie z.B. C. A. Weber, haben in dieser Beziehung einwandfreies Material geliefert. Ich habe mich deshalb seit einigen Jahrzehnten bemüht, bei meinen Untersuchungen, besonders im norddeutschen Flachlande, den natürlichen und künstlichen Änderungen der Vegetationsdecke nachzugehen und ein Bild zu erhalten von der Beschaffenheit und Zusammensetzung der fossilen Reste, die jede Vegetationsformation hinterläßt, um dann aus den geologischen Schichten wieder die Möglichkeit zu haben, das Bild der versunkenen Pflanzengemeinschaft wiederzugewinnen. Gerade für die Frage nach den wechselnden oder gleichbleibenden klimatischen Verhältnissen nach der Eiszeit schienen mir diese Dinge von großer Wichtigkeit, da ja so sehr vielfach von einem Wechsel der Vegetation ein direkter Schluß auf einen Wechsel im Klima gezogen wurde. Zweifellos reagiert unsere Pflanzendecke ganz außerordentlich stark auf auch nur verhältnismäßig geringfügige Änderungen des Klimas, seien es auch nicht einmal schärfer einschneidende Veränderungen der Temperaturen, sondern nur Schwankungen der durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge. Ich habe in früheren Arbeiten bereits darauf aufmerksam gemacht, daß verhältnismäßig so geringe und namentlich so allmählich sich abstufende klimatische Verschiedenheiten, wie sie zwischen dem Osten und dem Westen Norddeutschlands bestehen, doch imstande sind, für zahlreiche Pflanzenarten eine Grenze, und zwar eine scharfe und konstante Grenze, zu ziehen.