Original paper

Über isländische Lavaorgeln und Hornitos.

Sapper, K.

Kurzfassung

Seitdem ich in dieser Zeitschrift bei Besprechung einiger isländischer Lavavulkane über die an einem derselben (Selvogsheidi auf der Halbinsel Reykjanes) vorkommenden Lavaspitzen oder Lavaorgeln kurz berichtet habe, habe ich mich vergebens bemüht, in der Literatur genauere Auskunft über diese eigenartigen Gebilde zu bekommen. Sie scheinen demnach nur selten aufzutreten oder vielleicht zum Teil auch der Aufmerksamkeit der Beobachter entgangen zu sein. Thoroddsen selbst spricht zwar mehrfach von ihnen, gibt aber leider keine eingehende Beschreibung davon. Er erwähnt nur (a.a.O., S. 128), daß die ,aufrechtstehenden Lavaspitzen häufig kreuz und quer von durchbohrten und glasierten Lavaröhren durch; zogen" seien, und daß am Strytur eine Lavaspitze sich um 43 m über dem eigentlichen Kratermund erhebe. Solche Höhe erreichen die Lavaorgeln auf der Selvogsheidi nicht; ich schätzte die höchsten auf etwa 10-12 m. Wo abgebrochene Stücke einen Einblick in den Bau der Gebilde erlaubten, vermochte ich einen ansehnlichen Hohlraum zu erkennen, der in der Hauptachse verlief; quergestellte Lavaröhren habe ich nicht gesehen. Daß diese Gebilde nur von einer äußerst dünnflüssigen Lavamasse gebildet worden sein können, erkennt man schon bei Betrachtung ihrer (freilich äußerlich durch Erosionswirkungen zuweilen ziemlich mitgenommenen) äußeren Gestalt mit den enorm steil, oft senkrecht aufsteigenden säulen- oder hornähnlichen Gebilden, an denen sich häufig schlierenartig gewundene Rippen herabziehen; am Fuße der großen Hohlsäulen finden sich damit verwachsen oft kleinere, minder deutlich entwickelte, so daß das Gesamtgebilde fast einen orgelartigen Anblick gewährt. Leider habe ich weder Handzeichnungen noch Photographien an Ort und Stelle aufgenommen, so daß ich nicht in der Lage bin, eine Abbildung zu geben.