Original paper

Experimentelle Studien über die Entstehung der Sedimentgesteine.

Fischer, Herm.

Kurzfassung

I. Oolithbildung: Über die Bildung oolithischer Gesteine, oder genauer gesagt, über die Entstehung der Kalkooide, welche diese Gesteine zusammensetzen, sind in der neueren Zeit von G. Linck und seinen Schülern so eingehende Studien gemacht worden, daß die folgenden Beobachtungen, welche ich über künstliche und natürliche Entstehung von Ooiden machen konnte, im wesentlichen nur eine Bestätigung und Erweiterung der grundlegenden Forschungen G. Lincks bedeuten. Nur nebenbei möchte ich erwähnen, daß trotz der zweifellos prinzipiellen Lösung der Oolithfrage doch in der neusten Zeit wieder durch Kalkowsky die organogene Ooidentstehung für die Rogensteine des Buntsandsteins behauptet wurde, eine Ansicht, welcher G Link sofort entgegengetreten ist. Dem rein sekundären Einfluß, den Organismen und Organismenreste auf die Bildung von Ooiden haben können und dem Beobachtungsmaterial, das darüber gesammelt ward (s. F. Rossbach: Beitrag zur Kenntnis oolithischer Kalksteine. Inaug.-Diss. Jena 1884), darf doch wohl heute gegenüber der klaren Tatsache, daß Ooide anorganogen sowohl auf künstlichem wie natürlichem Wege entstehen, als einer Verkomplizierung der im Grunde genommen ganz einfachen Erscheinungen nicht mehr solche Bedeutung zugeschrieben werden. Schon Gümbel weist ja darauf hin, daß man bisweilen bei chemischen Analysen ooidische Niederschläge erhält, und jeder Chemiker, der diesen Erscheinungen Aufmerksamkeit schenkt weiß aus Erfahrung, daß viele Niederschläge unter bestimmten Fällungsbedingungen sphäroidisch auskrystallisieren. Ich selbst habe dies bei Kalkfällungen sowohl mit Ammoniumoxalat wie mit Ammoniumcarbonat beobachtet. Aber niemals entstanden die Ooide sofort, sondern erst nach längerer Zeit und namentlich bei starker Erwärmung. Linck hat nun gezeigt, daß eben der als Aragonit ausgefällte Kalk die Tendenz zu sphärischer Auskrystallisation hat, und er hat aus der künstlichen Darstellung mikroskopisch kleiner Aragonitooide geschlossen, daß auch die Entstehung der makroskopischen Aragonitooide in der Natur in ähnlicher Weise vor sich geht wie bei dem Experimente.