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Anzeichen für die Veränderungen des Klimas seit der letzten Eiszeit im norddeutschen Flachlande.

Wahnschaffe, Felix

Kurzfassung

Veränderungen des Klimas seit dem Rückzuge der letzten Inlandeisdecke in Norddeutschland lassen sich, abgesehen von den Schlüssen, die man aus der Verbreitung der heutigen Pflanzenwelt ziehen kann, mit Sicherheit nur aus der Beschaffenheit der in den postglazialen Ablagerungen erhalten gebliebenen Reste von Pflanzen und Tieren nachweisen. Zugleich sind bei derartigen Untersuchungen in erster Linie die im Gebiete des Ostseebeckens nachgewiesenen wichtigen morphologischen Veränderungen zu berücksichtigen, um festzustellen, in welchem Verhältnis die Klimaänderungen nach der Eiszeit zu den verschiedenen Abschnitten der Geschichte des Ostseebeckens stehen. Am Schluß der letzten Vereisung, als das Inlandeis bis zum südlichen. Norwegen und in die Gegend nördlich vom Wenern- und Wetternsee zurückgeschmolzen war, trat bekanntlich eine Senkung in Schweden ein, die das Gebiet dieser Seen unter den Meeresspiegel brachte, während Schonen mit Götaland als Insel aus diesem Meere herausragte. Die Absätze dieses spätglazialen Meeres enthalten eine hocharktische Fauna mit Yoldia arctica, nach der man es als Yoldiameer bezeichnet hat. Die deutsche Ostseeküste lag zu jener Zeit über dem Meeresspiegel, die dänischen Inseln standen im Westen mit dem Festlande in Verbindung, und die Schmelzwasserströme des Südwestbalticums hatten sich zwischen diesen Inseln ihre Wege in das Kattegatt gebahnt. In Norddeutschland breitete sich noch unter dem Einflüsse des eiszeitlichen Klimas eine arktische Flora aus, die auch Dänemark und die nicht untergetauchten Teile Südschwedens besiedelte. Die für die Beurteilung des Klimas dieser Periode charakteristischen Pflanzen sind Dryas octopetala, Salix polaris, Salix reticulata und Betula nana, sowie das arktisch-alpine Moos Hypnum turgescens.