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Die Fußstellung und Lebensweise der großen Dinosaurier.

Jaekel, O.

Kurzfassung

Der Abguß des riesigen Diplodocus, den W. J. Holland im Auftrage Carnegies europäischen Museen als fürstliches Geschenk überbrachte, hat die Frage, wie jene größten aller Landtiere, die ausgestorbenen Dinosaurier, der Trias-, Jura und Kreideperiode lebten und aussahen, aufs neue ins Rollen gebracht. Zu den Stimmen der Amerikaner, die seinen Rumpf hoch auf senkrechten Beinen aufgerichtet hatten, gesellte sich O. Abel, der auch anatomisch näher begründen zu können glaubte, daß Diplodocus ein Zehengänger gewesen sein müsse, d.h. beim Gange gewöhnlich nur mit den Spitzen seiner Zehen den Boden berührt habe, in ähnlicher Weise wie dies etwa bei dem Elefanten der Fall ist. Der Berliner Abguß veranlaßte den Kustos am dortigen Zoologischen Museum, Prof. Gustav Tornier, seine Erfahrung über Fuß- und Gelenkbildung auch auf den grandiosen Vertreter fossiler Landwirbeltiere zu übertragen und das Ergebnis dieser Studien in einem Aufsatz zu veröffentlichen. Der Verfasser kam darin zu dem Ergebnis, daß die bisherige Aufstellung des Diplodocus insofern falsch sein müsse, als seine Beine - nur um eine Normalstellung kann es sich bei einer solchen Rekonstruktion handeln - gestreckt aufgerichtet wurden, seine Füße digitigrad oder sogar unguligrad und im ganzen Habitus elefantenartig erschienen. Demgegenüber lehrte Tornier, daß das Beinskelett durchaus reptilartig, die Form und Stellung der Beine etwa eidechsenartig war. Diese Berichtigung hatte nun ihre Konsequenzen für die Gesamtform des Diplodocus, der danach im Rumpf niedergedrückt, eben eidechsenartig war und seinen übermäßig langen Hals in S-förmiger Krümmung erhoben trug. Auch in der Beurteilung der Gebißform und der Ernährungsweise konnte Tornier die bisherige Auffassung nicht bestätigen, die in diesen Formen Pflanzenfresser erblikte. Er zeitige erstens, was uns schon immer bedenklich erschien, daß ein Tier von diesen Dimensionen seinen Riesenkörper schwerlich durch den winzigen Kopf mit Pflanzenstoffen ernähren konnte, und machte das eigenartige Gabiß als rechenförmigen Fangapparat für kleine Wassertiere verständlich.