Original paper

Über die präoligocäne Landoberfläche in Thüringen.

Philippi, E.

Kurzfassung

Man hatte bisher ziemlich allgemein angenommen, daß die Erhebung des Thüringer Waldes und Harzes sowie die Bildung des Thüringer Beckens ausschließlich in die Tertiärzeit fallen. Daran anschließend galten die Störungen, welche die älteren Gebirgskerne begrenzen, und die, welche die Triasgebiete Thüringens durchziehen, als tertiär. Durch diese relativ jungen Krustenbewegungen wurden umfangreiche Denudationen hervorgerufen, die im östlichen Thüringer Walde und Harze das alte gefaltete Schiefergebirge, im westlichen Thüringer Walde hauptsächlich Rotliegendes freilegten. Bei der Abtragung der Flözgebirgsdecke trat im östlichen Thüringer Walde und im Harz die uralte permische Abrasionsfläche zutage; sie ist identisch mit der heutigen mehr oder weniger ebenen Oberfläche der Schiefergebirge, die diesen den Charakter eines Hochplateaus aufdrückt. Diese bisherige Auffassung glaube ich durch eine andere ersetzen zu müssen. Ich möchte annnehmen, daß der größere Teil der thüringischen Dislokationen in die Zeit vor Ablagerung des Oligocäns fallt, und daß nur an einigen Spalten sich auch postoligocäne Verschiebungen vollzogen, deren Sprunghöhe aber die der präoligocänen nirgends erreicht. Beobachtungen in den Nachbargebieten und die Lagerung des Cenomans im Ohmgebirge machen es wahrscheinlich, daß die präoligocänen Krustenbewegungen sich großenteils schon am Ende der Juraperiode vollzogen, daß aber in der Oberen Kreide oder im Eocän eine zweite Dislokationsperiode folgte. Die präoligocänen Krustenbewegungen verursachten Gesteinsabtragungen größten Maßstabs. So wurde Thüringen bis zur Oligocänzeit zu einer Peneplain abgeschliffen, deren Untergrund Gesteine sehr verschiedenen Alters bildeten. Schon vor dem Oligocän traten Schiefer im östlichen Thüringer Walde und Harz, Buntsandstein und Muschelkalk an den Rändern, Keuper im Innern des Thüringer Beckens zutage. Die Hochfläche, welche sich oft sehr gut im Schiefergebirge, in größeren Partien aber auch im Triasgebiet erhalten hat, ist nichts anderes als die präoligocäne. Infolge von postoligocänen Störungen, die teilweise den alten präoligocänen Bruchlinien folgten, hoben sich Thüringer Wald, Harz und Kyffhäuser in ihrer heutigen Gestalt heraus. Das Thüringer Triasgebiet zwischen den beiden ,Horsten" bildete zunächst eine schiefe Ebene, deren tiefster Teil dem Harze stark genähert lag. Auf dieser schiefen Fläche flossen ursprünglich die Gewässer einander parallel nach NNO. Dadurch, daß besonders in postglazialer Zeit die Erosion in den weichen Keupermergeln rascher arbeitete als im Buntsandstein und Muschelkalk, fanden zahlreiche Flußverlegungen statt. Gleichzeitig wurden die härteren Gesteinskomplexe im Keupergebiet als Höhenzüge herauspräpariert.