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Die Natur des Everdingschen deszendenten Hauptsalzkonglomerats

Lachmann, R.

Kurzfassung

Gegen die Everdingsche Deutung des konglomeratischen Carnallits, des Hauptvertreters der Kalisalze auf unseren permischen Salzlagerstätten, als ,deszendente", vor Ablagerung des Salztons auf mechanischem Wege umgelagerte Gerölle eines ursprünglich bankigen carnallitischen Mutterlagers (Hauptsalz), wie gegen die Auffassung von der allochthonen Natur der Kalilager überhaupt lassen sich folgende Einwendungen erheben: 1. Wenn die fraglichen Carnallite durch Erosionstransport fertig gebildeter Hauptsalzlager entstanden wären, so müßten auch aus deren Liegendem sich Konglomerate gebildet haben, um so eher, als das schwerer lösliche Steinsalz von Transportwässern weniger leicht angegriffen und in Lösung fortgeführt werden kann. Das gänzliche Fehlen von reinen Steinsalzkonglomeraten bei uns in Norddeutschland spricht gegen die Möglichkeit jeglicher interpermischen Erosionstransporte. 2. Werden Mischungen von leicht und schwer löslichen Salzen, wie sie die Hauptsalzlager darstellen, erodiert und transportiert, so nehmen die schwerer löslichen Salze auf Kosten der leichter löslichen zu, sei es durch Fortlösen der letzteren, sei es durch Einstreuen von Erosionsschotter aus dem Steinsalzliegenden in die ,deszendenten" Konglomeratmassen. Tatsächlich ist aber der Durchschnittsgehalt an Carnallit bei den angeblich transportierten Konglomeraten um einige Prozent hoher als derjenige der Mutterlager. 3. Die Konglomerate sind in der Regel nicht etwa diskordant, sondern konkordant dem Liegenden aufgelagert. Gar häufig beobachtet man, daß die Konglomeratmassen durch allmächlihe Übergänge mit dem Liegenden verbunden sind. Auf ,Beienrode" und auch anderswo ist zwischen liegendem Steinsalz und carnallitischem Konglomerat eine Übergangszone zwischengelagert, in welcher zuerst kompakte Steinsalzbänke mit dünnen Schnüren von kieseritischem Carnallit wechsellagern, weiter im Hangenden hier und da Steinsalzbänkchen im Streichen durch Carnallit verdrängt erscheinen, wobei sich die Steinsalzbänkchen aber noch ganz gut verfolgen lassen, und schließlich nur noch Bröckchen und typische Blöcke von Steinsalz und Kieserit in der carnallitischen Grundmasse hervortreten.