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Entstehung der Orthogneise

Berg, G.

Kurzfassung

Die Entstehung der krystallinen Schiefer bildet schon seit langem eines der interessantesten Probleme der petrogenetischen Geologie. Während man früher meist annahm, daß in ihnen die Sedimente der ältesten Epochen unserer Erdgeschichte, der archäischen Zeit, vorliegen, hat sich neuerdings mehr und mehr die Ansicht Bahn gebrochen, daß die krystallinen Schiefer Umwandlungsprodukte normaler Sedimente und Massengesteine sind, und daß diese Umwandlung in der Regel nur die ältesten Schichten betroffen hat, daß aber ausnahmsweise auch sehr alte Schichten noch nicht metamorph oder sehr junge Schichten schon völlig metamorph sein können. Während man früher glaubte, daß die Grenze zwischen normalen Sedimenten und krystallinen Schiefern an der Basis des Cambriums liege, weiß man jetzt, daß sie die Reihenfolge der Formationen sozusagen schräg durchsetzt, so daß noch ein kleiner Teil des Tertiärs den krystallinen Schiefern zufällt, während von den präcambrischen Formationen nur ein kleiner Prozentsatz unmetamorph geblieben ist. Im mittleren Devon und oberen Silur halten sich metamorphe und nicht metamorphe Gesteine ungefähr die Wage, wie etwa nachstehendes Schema der Verbreitung krystalliner Schiefer zeigt. Die interessanteste und charakteristischste Gruppe der krystallinen Schiefer, die Gneise, hat Rosenbusch zuerst in zwei große Gruppen geschieden: in die Paragneise, die aus der Metamorphose von Sedimenten, und die Orthogneise, die aus der Metamorphose von Massengesteinen sichgebildet haben. Letztere erkennt man an ihrem chemischen Bestand, an den endogenen und exogenen Kontakterscheinungen, die sich an ihrem Salband finden, und an der Führung von Nebengesteinseinschlüssen. Es hat sich herausgestellt, daß die granitischen Orthogneise, d.h. die parallelstruierten Modifikationen granitischer Massengesteine, eine außerordentlich weite Verbreitung haben, und über ihre Entstehung ist denn auch in den letzten Jahrzehnten vor allen Dingen der Streit der Meinungen entbrannt.