Original paper

Zur Faciesbildung des westfälischen Untersenon.

Wegner, Th. H.

Kurzfassung

Schlüter gab 1876 folgende Gliederung des westfälischen Untersenon: 3. Kalkig-sandige Gesteine von Dülmen mit Scaphites binodosus. 2. Quarzige Gesteine von Haltern mit Pecten muricatus. 1. Sandmergel von Recklinghausen mit Marsupites ornatus. Stolley hat die Bezeichnung ,Granulatenkreide" für diese Bildungen eingeführt. Infolge des in denselben Aufschlüssen beobachteten Vorkommens von Actinocamax granulatus und westfalicus hat Bärtling kürzlich seinen Bedenken gegen die Bezeichnung ,Granulatenkreide" Ausdruck gegeben. Da ich inzwischen in der Grube der Lüdinghäuser Tonwerke bei Lüdinghausen, und zwar in Tonen, die von kalkig-sandigen Dülmener Gesteinen übergelagert werden, in Granulatenschichten neben typischen Exemplaren von Actinocamax und Inoceramus lobatus auchden typischen Act. quadratus gefunden habe, kann ich mich diesen Bedenken nur anschließen. Ich lasse daher auf Grund dieser neueren Funde die früher von mir gebrauchte Bezeichnung ,Granulatenkreide" fallen. 1905 habe ich den Nachweis zu führen versucht, daß die kalkig-sandigen Gesteine von Dülmen mit Scaphites binodosus nicht selbständig sind, sondern nur eine küstenfernere Facies der Halterner Sande darstellen. Ich wiederhole zunächst die von mir für diese Auffassung angeführten beiden Gründe: 1. Vorkommen von Scaphites binodosus in den quarzigen Gesteinen von Haltern. 2. Das Fehlen der Halterner Sande auf der Linie Datteln-Seppenrade und die unmittelbare Auflagerung von Gesteinen mit Dülmener Fauna (Sc. binodosus, Sc. inflatus) auf Recklinghäuser Mergel im Kanaleinschnitt bei Olfen. In der erwähnten Arbeit hat Bärtling sich sehr scharf gegen diese Zusammenfassung ausgesprochen. Zur Widerlegung meiner in obiger Weise nicht nur durch paläontologische, sondern auch durch stratigraphische Gründe veranlaßten Auffassung können zwei Wege begangen werden; es kann einmal vor allem der Nachweis eines Aufschlusses gebracht werden, in dem die Dülmener Sandkalke die Halterner Sande überlagern, oder zweitens bewiesen werden, daß Sc. binodosus kein Leitfossil für die Dülmener Sandkalke ist, sich vielmehr hier oder auch anderorts in tieferem Untersenon vorfindet.