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Nochmals das Silur im Kellerwalde.

Lepsius, R.

Kurzfassung

In der jüngst erschienenen Nr. 3 dieser Monatsberichte haben A. Denckmann und O. H. Erdmannsdörfer sich über meine Bedenken geäußert, die ich im Notizblatt für 1908 gegen A. Denckmanns Silur im Kellerwalde erhoben hatte, Da beide Herren keine sachlichen neuen Gesichtspunkte in ihren Entgegnungen aufstellen, kann ich nur wiederholen: Solange A. Denckmann sein neues System von Silurstufen im Kellerwalde nicht durch eine Beschreibung von charakteristischen Silurfossilien beglaubigt hat, muß die ältere Auffassung bestehen bleiben, welche diese Schichten in das Devon gestellt hat. Nur durch die von A. Denckmann im Kellerwalde aufgefundenen Graptolithen und die Cardiola interrupta sind an einigen Punkten im Kellerwalde Silurschiefer wie im Harze nachgewiesen; alle seine übrigen Silurschichten schweben in der Luft, solange keine bestimmten, charakterisierten Silurfossilien daraus bekanntgemacht werden. O. H. Erdmannsdörffer findet eine petrographische Ähnlichkeit zwischen dem Bruchberg-Acker-Quarzit auf dem Harz und dem ,Wüstegarten-Quarzit" Denckmanns im Kellerwalde. Da A. Denckmann aus seinem Wüstegarten-Quarzit kein einziges Silurfossil angegeben oder beschrieben hat, werden sowohl diese Quarzite wie die Bruchberg-Acker-Quarzite so lange als devonisch bestehen bleiben müssen, bis ein anderes Alter durch charakteristische Fossilien nachgewiesen ist. O. H. Erdmannsdörffer nennt kein Silurfossil aus den Bruchberg-Acker-Quarziten des Harzes. Jeder Geologe, der den Kellerwald kennt, wird mir zugehen, daß in diesem niedrigen Waldgebirge mit seinen wenig tief eingeschnittenen Tälern und mit seinem Mangel an Fossilien die Lagerung des äußerst komplizierten präcarbonischen Gebirges nicht erkannt werden kann mit einer solchen Sicherheit, daß dabei auf leitende Fossilien verzichtet werden kann.