Original paper

Geologische Beobachtungen in Kleinasien.

Berg, Georg

Kurzfassung

Einleitung: Verfasser brachte im Sommer 1907 nahezu 5 Monate in der Türkei zu, um im Auftrage einer Bergwerksgesellschaft eine Anzahl Lagerstätten in Kleinasien zu untersuchen. Es wurden von Konstantinopel und Smyrna aus verschiedene Reisen ins Innere Anatoliens unternommen. Über die bergmännischen Untersuchungen kann ich zurzeit nur das geologisch Interessante veröffentlichen; doch sollen die allgemeinen geologischen Beobachtungen, die während der Reise gemacht wurden, hier kurz niedergelegt werden. Jeder, der einmal in geschäftlichem Auftrage bergmännische Studienreisen unternahm, wird wissen, daß derartigen Reiseergebnissen der Wert und die Sicherheit genauer wissenschaftlicher Beobachtungen nicht zukommt, und daß man eine derartige Reise am allerwenigsten mit einer Forschungsreise im Sinne der Wissenschaft vergleichen darf. Wenn ich es dennoch im folgenden wage, einige Beobachtungen zu veröffentlichen, so geschieht dies nur deshalb, weil das durchzogene Gebiet zum Teil geologisch noch vollkommen unbekannt ist, und weil bei der jetzt mit Riesenschritten fortschreitenden wissenschaftlichen Aufschließung Anatoliens jeder Beitrag zur Kenntnis der Geologie als Baustein zum Ausbau der Landeskunde Kleinasiens wertvoll erscheinen muß. Es wird im 1. Teil das wichtigste aus den Reisenotizen wiedergegeben werden, im 2. Teil wird die in der Heimat vorgenommene petrographische Untersuchung des gesammelten Gesteinsmateriales besprochen, und in einem 3. Teil sollen einige vergleichende Studien über den Aufbau des Landes versucht werden. I. Reisenotizen: In der näheren Umgebung von Smyrna unternahm ich nur einen eintägigen Ritt in das Gebirge des Kizil Dagh südwestlich von der Stadt. Das Gebirge besteht aus steilgestellten Schichten metamorpher Sedimente. Es sind meist phyllitische Schiefer. Zwischengelagert sind einige Bänke gequetschter kleinkörniger Konglomerate sowie mächtige Kalksteinlager. Da diese versteinerungsleer sind, so läßt sich eine Altersangabe nicht machen, und wir müssen sie, wie dies bisher mit allen derartigen Gesteinen geschehen ist, bis zum Beweise des Gegenteils stratigraphisch als archäisch betrachten.