Original paper

Odontopteryx longirostris n. sp.

Spulski, Boris

Kurzfassung

Das vorliegende Exemplar eines bezahnten Vogelschädels ist eine glückliche Ergänzung zu dem Owenschen Odontopteryx toliapicus. Zwar weicht das erste in verschiedenen Eigentümlichkeiten sowie in den Dimensionen, wie wir später sehen werden, erheblich von Odontopteryx toliapicus ab, das Eigentümlichste desselben, die zahnähnlichen Knochenzapfen in den Kiefern, hat er mit dem letzten gemeinsam. Eine weiter Eigentümlichkeit des Exemplares besteht im Besitz der Sklerotikalringe, welche von Owen für den Odontopteryx toliapicus nicht angegeben worden waren. Die Sklerotikalringe selbst habe ich leider nicht mehr zu sehen bekommen Bei einem Unfall, der dem Schädel widerfahren ist, ist der am rechten Auge ursprünglich vorhandene Sklerotikalring verloren gegangen. Daß er aber vorhanden gewesen ist, bestätigen die Zeugnisse von Tornquist, Lühe u.a. und vor allen auch die eigentümlichen Facetten in den Orbitalhöhlen, auf dem Alisphenoid, Orbitosphenoid. Über das Alter des Schädels und den Fundort sagt bedauerlicherweise ein ihm beigegebenes Etikett sehr wenig aus. Es hat ihn etwa vor 5 Jahren ein Matrose aus Brasilien mitgebracht und an den Raritätenhändler J. Schulze in Königsberg verkauft haben, von welchem er 1905 von Prof. Braun für das Zoologische Institut erworben wurde. Die Ausfüllung der Orbiten ist ein reiner, körniger Kalk, was natürlich noch nicht berechtigt, anzunehmen, daß auch das Muttergestein ein Kalkstein war. Denn solche Kalkspatausfüllungen der Schädel finden auch in jedem kalkhaltigen Gesteine statt. Der großen Ähnlichkeit des vorliegenden Schädels mit dem des Odontopteryx toliapicus wie auch seinen primitiven Merkmalen zufolge müßte er mindestens ein eocänes Alter haben. Der Erhaltungszustand des Exemplares ist ein ziemlich günstiger. Das Hinterhaupt neben dem Foramen magnum, die obere Partie des Schädels samt Orbiten, ein großes Stück vom Schnabel mit Ober- und Unterkiefer sind erhalten.