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Über und gegen neue Diplodocus-Arbeiten.

Tornier, Gustav

Kurzfassung

Teil I: Gegen O. Abels Rekonstruktion des Diplodocus: In der hier zunächst zur Besprechung vorliegenden Schrift hat ihr Verfasser sich den Kampf gegen die von mir vertretene Diplodocus-Auffassung auf seine Weise recht sehr erleichtert. Ich selber stütze mich nämlich dabei vorwiegend auf eingehende Untersuchungen an den großen und kleinen Gelenken des in Berlin montierten Skelettabgusses. Und nun erklärt Abel in bezug darauf folgendes: Da die Gelenk-Enden der großen Extremitätenknochen der Sauropoden von Knorpelscheiben überzogen waren, die verloren gegangen sind, läßt sich auf diesem Wege die gegnerische Auffassung nicht widerlegen. - Und damit schaltet er meine Hauptbeweise einfach aus und vermeidet so sehr bequem das Schwierige, auf sie sachlich irgendwie eingehen zu müssen. Und dann gibt er zweitens an, daß der Gelenkknorpel in den großen Gelenken des Diplodocus sehr dick gewesen sei. Die Textstelle lautet: ,Es ist hervorzuheben, daß schon Hatcher auf die starke Knorpelbedeckung der Extremitätenknochenenden hingewiesen hat. Diese Tatsache muß auch in einer Rekonstruktion dadurch zum Ausdruck gebracht werden, daß z.B. die Knochen am Kniegelenk, Ellbogengelenk usw. nicht unmittelbar aufeinanderstoßend montiert werden, sondern durch entsprechende Zwischenräume getrennt bleiben. Hatcher hat dies in seinen Rekonstruktionen (1901 und 1903) nicht getan, wohl aber ist darauf von Holland bei der Aufstellung des Gipsabgusses Rücksicht genommen worden." (S. 34.) Ich muß gestehen, daß ich durch diesen letzten Ausspruch sehr sonderbar aufgeklärt worden bin. Holland hat nämlich diese Gelenkzwischenräume überall recht sehr reichlich bemessen, denn zumeist sind sie weit über handbreit.