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Salinare Spalteneruption gegen Ekzemtheorie.

Lachmann, R.

Kurzfassung

In der Aprilsitzung unserer Gesellschaft hat Herr Dr. E. Harbort die Vorstellung von der tektonischen Entstehung der norddeutschen Salzstöcke in zwar sehr extremer, aber ebenso prägnanter Weise vorgetragen. Weil im Anschluß daran meine chemisch-physikalischen Deutungen angegriffen werden, und ich in einer ausführlichen historischen Behandlung des Problems nicht mehr auf diesen Vortrag Bezug nehmen konnte, soll im folgenden kurz auf diese Darlegungen eingegangen werden. Man mache sich einmal die Tragweite dieser Ideen an dem auf S. 333 in Fig. 2 beigegebenen Profil durch die Bohrungen bei Rolfsbüttel klar. Wir sollen uns in einer Zeit nach Ablagerung des Albiens und vor Transgression des Senons einen tektonischen Sattel ausgebildet denken, welcher bei einer Breite von ca. 2 km einige 100 m über die heutige Erdoberfläche herausgeragt hat, wie eine Rekonstruktion des Profils ergibt. Dieser im weiten Flachland ganz für sich allein aufragende Sattel platzte oben zu einer nicht weniger als anderthalb Kilometer breiten Spalte, in welche nun nicht etwa von oben die Schichten hineinsinken, sondern in welcher von unten her aus kolossalen Tiefen der permische Salzbrei herausquillt. Da die salinare Eruptionsspalte dicht unter der Oberfläche noch 1 1/2 km breit geklafft haben soll, so ist nicht einzusehen, warum sich die Salzlava nicht deckenförmig über Tage ausgebreitet hat. Diese auf die Spitze getriebenen plastizitätstektonischen Anschauungen können nun unmöglich die Grundlage bilden für die Analyse des norddeutschen Tiefland-Felsgerüstes. In dem selben Niveau, in dem durch Tangentialdruck die Salzmassen verflüssigt sein sollten, suchen wir in den Kreideschichten vergebens nach den Wirkungen eines, wenn auch noch so geringen, horizontalen Faltungsdruckes. Der Salzstock ist meilenweit von ungestörten Schichten umgeben, und die an ihm erfolgte Aufrichtung der Kreide weist in mechanischer Hinsicht nicht auf antiklinale Faltung, sondern auf Schleppung und Senkung.