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Über ein diluviales Bruchsystem in Norddeutschland

Jaekel, O.

Kurzfassung

Die Steilküste von Rügen zwischen Saßnitz und Stubbenkammer bildet ein viel umstrittenes Problem der Geologie Norddeutschlands. Bekanntlich ist dort die oberste Kreide, deren Schichtung durch Feuersteinbänke scharf gekennzeichnet ist, nicht horizontal und regelmäßig gelagert wie z.B. an der Südküste Englands, sondern in eine lange Reihe von Schollen zerstückelt, an deren Grenzflächen Diluvialschichten spitzwinklig eingekeilt sind. Die Frage war nun, ob diese Störungen tektonischer Art seien, oder ob sie durch den Druck des Inlandeises bewirkt seien. Ein Teil der Autoren, wie V. Hagenow, Boll, v. Koenen, Rud. und Herm. Credner, nahmen im wesentlichen tektonische Ursachen zur Erklärung der Störungen an, während diese von Johnstrup, Behrendt, Wahnschaffe, Geikie, Philippi und anderen wesentlich auf den Eisdruck zurückgeführt werden, oder noch andere, wie Cohen, Deecke, Baltzer, für eine Kombination beider Faktoren eintraten. Während die meisten der genannten Autoren die ziemlich komplizierten Lagerungsverhältnisse nur nach dem Besuch einzelner Stellen des Profils beurteilt hatten, war E. Philippi zuletzt eifrig bemüht gewesen, alle in Betracht kommenden Aufschlüsse in Jasmund zu studieren und das Problem gründlich abzuhandeln. Auf dieser breiteren Grundlage erlangten seine Ergebnisse besonderen Wert und schienen seiner Ansicht gemäß tektonische Fragen in der Beurteilung der Profile gänzlich auszuschalten. Die ganze Erscheinung konnte lediglich als gigantische Wirkung des Inlandeises erscheinen. Die Nähe von Greifswald ermöglichte mir, seit 4 Jahren die in Betracht kommenden Aufschlüsse in Rügen und Vorpommern regelmäßig zu besuchen und auch ihre Veränderungen ständig zu kontrollieren, sowie auch das Steilufer der dänischen Insel Möen zum vergleichsweisen Studium heranzuziehen. Ich muß mich an dieser Stelle darauf beschränken, die Ergebnisse dieser Beobachtungen an der Hand der ausgestellten Profile kurz zusammenzustellen.