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Eine kurze Bemerkung zum Vortrag des Herrn A. Fleischer über das Thema ,Beiträge zur Frage der Ausdehnung des Magmas beim langsamen Erstarren"

von Wolff, F.

Kurzfassung

Es ist sattsam bekannt, daß plötzliche Volumenänderungen bei einem Phasenwechsel wie beim Übergang vom Schmelzfluß in den krystallisierten Zustand oder beim Umwandlungspunkt einer krystallisierten Modifikation in eine andere auftreten und nicht bei einer rein glasigen Erstarrung. Ich kann daher den Erstarrungsversuchen des Herrn A. Fleischer irgendeine Bedeutung zur Losung der Frage, ob Silikate und Silikatgemenge unter Kontraktion oder Dilatation krystallisieren, nicht beimessen. Herr Fleischer operiert mit Gesteinsgläsern, die er durch Umschmelzen aus Gesteinen gewonnen hat, und erhält bei seinem Versuchen wieder Gläser, wie man seinen Angaben entnehmen muß (vgl. S. 419). Trotz der langsamen Erstarrung ist eine Krystallisation nicht eingetreten, was auch u. d. M. leicht festzustellen gewesen wäre, infolgedessen können diese Versuche auch gar nichts über Volumenänderungen bei der Krystallisation aussagen. Auf diese kommt es bei der Frage nach einer Energieerzeugung während des Erstarrungsprozesses allein an. Es erübrigt sich daher für mich, auf seine Versuche näher einzugehen. Das Zerspringen seiner Porzellantiegel beweist, selbst für den Fall einer teilweisen Krystallisation, gar nichts und ist offenbar auf eine verschiedene Zusammenziehung von Gefäß und Schmelzgut zurückzuführen. Da es bisher nicht möglich war, vollständig einwandfrei und genau genug die Dichte von Silikatschmelzen auf direktem Wege zu ermitteln - auch der Versuch von Barus ist nicht frei von Fehlerquellen -, müssen indirekte Methoden mit herangezogen werden. Die Kontraktion des Magmas bei der Krystallisation kann am sichersten noch aus der Tatsache geschlossen werden, daß bei 20° die Gesteinsgläser weniger dicht als die vollkrystallisierten Gesteine sind. Berücksichtigt man nämlich den kubischen Ausdehnungskoeffizienten, so ist, wie Tammann in seiner Arbeit ,Krystallisieren und Schmelzen", S. 48 ausführt, derselbe für Silikatgläser größer als für kristallisierte Silikate.