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Über genetisch wichtige Aufschlüsse in den Schwefelgruben Siziliens

O. Stutzer

Kurzfassung

Im vergangenen Herbste unternahm ich zum Studium von Schwefellagerstätten eine Studienreise nach Sizilien. Ich lernte auf dieser Reise einige Aufschlüsse kennen, welche für die Frage nach der Entstehung der dortigen Schwefellagerstätten von Bedeutung sind. Bevor ich auf diese genetisch wichtigen Aufschlüsse aber näher eingehe, sei es mir erlaubt, einen kurzen genetischen Überblick über Schwefellagerstätten im allgemeinen zu geben. In Gebieten tätiger Vulkane trifft man oft Stellen, welche mit gelbem Schwefel überkrustet sind. Aus Solfataren steigen in diesen Gegenden noch jetzt Dämpfe und Gase auf, welche einen Geruch nach schwefliger Säure verbreiten und Schwefel an den Wänden ihrer Austrittsöffnungen absetzen. In früheren Zeiten war man geneigt, die Entstehung aller abbauwürdigen Schwefellagerstätten auf ähnliche Prozesse zurückzuführen. Bei genaueren Untersuchungen erwies sich jedoch diese Annahme in ihrer Allgemeinheit als unrichtig. Nur einige wenige Vorkommen verdanken dem Vulkanismus ihr Dasein. Für die Weltproduktion kommen von diesen wenigen allein die japanischen Schwefellagerstätten in Betracht, welche in alten Kraterseen oder am Gehänge alter oder noch tätiger Vulkane lagern. Die Bildung des Schwefels bei Vulkanen dachte man sich bisher durch den Verlauf einer Reaktion zwischen H2S und SO2, wobei sich H2O bildete, und Schwefel frei wurde. Auf Grund eingehender Untersuchungen von Brun muß die Annahme dieser chemischen Reaktion bei Bildung vulkanischen Schwefels jedoch als irrtümlich zurückgewiesen werden. Brun wies zunächst auf die Unmöglichkeit hin, daß H2S und SO2 aus einem Kanäle gemeinsam austreten können. Würde die Reaktion in dem eben angedeuteten Sinne verlaufen, so müßten für die Gase H2S und SO2 zwei getrennte Zufuhrkanäle existieren, was in den meisten Fällen aber ausgeschlossen ist. ...