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Das Alter der Madüe-Terrassen.

Lehmann, F. W. Paul

Kurzfassung

Über die Madüe und besonders über ihre hochinteressante Reliktenfauna verdanken wir Samter und Weltner verschiedene Abhandlungen (Archiv für Naturg., 71. Jahrg., Bd. I, Berlin 1905). Samter weist auf Terrassen hin, die den 14,1 m hoch gelegenen Seespiegel um 0,4 und 0,9 und 2,4 m überragen. Er macht den Versuch, sie mit der Yoldia-Epoche und Keilhacks Haffstausee-Terrassen in Verbindung zu bringen. Der ältesten gibt er ein Alter von 6000 Jahren. Ich kann ihr nur 141 Jahre zuweisen; sie gehört in die ,Alte Fritz-Zeit". Ihr Geburtsjahr ist das Jahr 1769; bis dahin war sie der Ufersaum des künstlich um ungefähr 8 Fuß gesenkten Sees. 3660,49 ha (umgerechnet aus Morgen) Land wurden in der Meereshöhe von 14,1-17 m gewonnen und besiedelt, wie es nach den auch Samter bekannten Madüe-Akten des Stettiner Geh. Staatsarchivs Direktor Peter Wehrmann im Programm des Bismarcksgymnasiums zu Pyritz 1897 einsichtig dargestellt hat. Hart am Ufer des bis 1769 fast 7400 ha großen Sees lagen in über 17 m Meereshöhe die in den Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts erwähnten Ortschaften, auch das alte Seelow, während das neue bis auf die neben der alten Dorfstraße noch heute stehende Kirche dem See nachgerückt ist. Die innerhalb der 1 m-Grenze, also unter 15 m Meereshöhe, liegenden Wassermarken, ober- und unterhalb deren sich naturgemäß Madüe-Muscheln finden, sind jünger als 1769, sie sind in den alten, lockeren Seeboden eingeschnitten und Spuren der wechselnden Wasserstände des gelegentlich mit stattlichen Wellen an die Ufer klatschenden Sees. 1910 betrug die Schwankung des Wasserstandes nur 41 cm, 1897 dagegen 73 cm. Sie muß 1888 noch bedeutend größer gewesen sein. Die Madanzig-Wiesen im S von Seelow wurden überschwemmt, und der Abfluß des Sees wurde 1895, um ähnlichen Übelständen vorzubeugen, vertieft. ...