Original paper

Zur Morphologie und Tektonik Pommerns.

Deecke, W.

Kurzfassung

Durch eine unerwartete Folge von Umständen hatte ich Gelegenheit, in diesem Herbste abermals Pommern zu besuchen und speziell Hinterpommern nochmals zu bereisen. Diese Exkursion hat mir in mancher Weise eine Bestätigung vor Jahren ansgesprochener Ansichten geliefert und eine Reihe neuer Betrachtungen angeregt, die ich nun veröffentliche, weil ja jetzt die von mir schon früher behauptete tektonische Gestaltung Pommerns in den Ausführungen von Jäkel wieder zur Diskussion gestellt ist. Bei meiner Reise gelangte ich auch nach Pollnow, dessen eigentümliches breites, von Sand erfülltes Tal eine der auffallendsten Erscheinunngen der Gegend ist. Keilhack hat diese Sande und das Tal als Reste des großen pommerschen spätglazialen Urstromtales aufgefaßt, das den Rummelsburger und den Persantestausee miteinander verband. Er spricht von zwei Terrassen in 100 und 130 m Meereshöhe. Diese Terrassen sind vorhanden und trefflich zuerkennen. Er sagt ferner, daß die tiefste Stelle des Wasserpasses östlich von Pollnow in einer Meereshöhe von 108 m läge. - Bei meinem Besuche von Pollnow wurde am Eingange der Stadt vom Staatsbahnhofe her gerade ein Haus gebaut. Zu dem Zwecke war die Terrasse, auf welcher beide Bahnhöfe und einige Ziegeleien stehen, auf 5-6 m Tiefe ganz vorzüglich angeschnitten. Die ganze Wand bestand aus horizontal liegenden braunen Bändertonen mit wechsellagernden feinen Sanden. Gröbere Steine fehlten ganz. Es waren Ablagerungen in einem sehr langsam fließenden wenn nicht stehenden Wasser, das einst das breite Grabowtal und seine Nebentäler erfüllt hat. Es ist das, was Keilhack als Urstromtal bezeichnete. Um so überraschter war ich, als ich beim Untersuchen der Bändertone zahlreiche Pflanzenreste fand. Selbst ganz unten, ca. 5 m unter der Oberfläche, in eben frisch abgestochenen Schichten waren Kohletrümmer, kleine Zweige und Blattreste nachzuweisen, sobald man die Bändertone nach den Schichtenfugen auseinanderbrach. ...