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Zum Problem der Entstehung der Umrißform von Celebes.

v. Staff, Hans

Kurzfassung

Als im Jahre 1901 die wissenschaftlichen Ergebnisse ihrer Reisen in Celebes durch die Gebrüder Sarasin veröffentlicht wurden, schien das Bild, das jahrelange Forschung ergeben hatte, endlich ein Licht auf die Tektonik der seltsam geformten Insel zu werfen. Die Klage von E. Suess im dritten Teil des Antlitzes der Erde: ,Die Beobachtungen über Celebes und Halmahera, welche mir bekannt geworden sind, reichen nicht aus, um auch nur Vermutungen über ihren Bau auszusprechen" (II. S. 213) schien ihre Berechtigung verloren zu haben. Kurz gefaßt läßt sich die Sarasinsche Auffassung etwa in folgender Weise wiedergeben: Das Grundgerüst von Celebes wird von einem jungen Faltengebirge gebildet, das für die Richtung der Küsten maßgebend ist. Zwar blieb die Art der Scharung dieser einzelnen in die Tier ,Finger" der Insel auslaufenden Faltenzüge noch etwas unklar, aber Text und Karte lassen keinen Zweifel, daß die Sarasins die Gestalt der Insel in innigen Zusammenhang mit dem Streichen der Faltung brachten. Nach allem, was wir von der Tektonik von Faltengebirgen wissen, ist dieses Bild unannehmbar: 1. Zunächst fehlt die mesozoische Geosynklinalbildung gänzlich. Wohl fehlt es im Sundaarchipel selbst keineswegs hier und da an fossilführenden Schichten des Paläo- und Mesozoicums, aber nichts deutet darauf hin, daß den streng lokalisierten ,Faltenbögen" von Celebes eine besondere zugehörige langdauernde Absenkung vorangegangen sei: In Celebes treten im Gegenteil besonders viele krystalline Gesteine zutage. 2. Sodann fehlt jede Differenzierung von tektonischem Vor- und Rücklande, was umso befremdender ist, als eine ausgeprägte Bogenform der einzelnen Inselfinger vorliegt. Die Faltengebirge von Celebes lassen sich somit in keine der beiden großen Gruppen einfügen, denen fast alle Faltenzüge der Erde angehören. Diese wären je nach der aktiven oder passiven Rolle, die das Vor- bzw. Rückland spielt, in Stauungs- oder Zerrungsbögen einzuteilen und sind durch Mischformen und Übergänge gelegentlich verbunden.