Original paper

Über die Tessiner ,Gneise".

Grubenmann, U.

Kurzfassung

Im 12. Monatsbericht der Deutschen Geologischen Gesellschaft für 1910 verwahrt sich Herr Klemm S. 722 in einem kleinen Artikel mit obigem Titel dagegen, daß ich in meiner kurzen Mitteilung an den Internationalen Geologenkongreß in Stockholm ,über einige tiefe Gneise aus den Schweizer Alpen", in welcher auch die Tessiner Gneise behandelt werden, seine Arbeiten über dieselben nicht erwähnt habe, und nimmt ,die Priorität der Entdeckung der schonen Mischgesteinszone von Bellinzona-Locarno für sich in Anspruch". - In der Tat liegt hier leider ein kleines Versehen von meiner Seite vor, das aber durchaus nicht auf einer Nichtachtung der Klemmschen Arbeiten beruht; auch erkenne ich gerne an, daß G. Klemm der erste war, welcher den Gedanken von der Mischgesteinsnatur jener Tessiner Gneise veröffentlichte. Zwei Dinge mögen die Unterlassung der Literaturangabe in meiner Mitteilung entschuldigen. Als Präsident der Schweizerischen geotechnischen Kommission, die im Jahre 1904 die Bearbeitung der natürlichen Bausteine der Schweiz in ihr Arbeitsprogramm aufnahm, hatte ich amtlich seit jener Zeit wiederholt mit den betreffenden Tessiner Gneiskomplexen zu tun und kannte die Durchaderung der dortigen Sedimentgneise mit aplitischen und pegmatitischen Massen, also ihre Mischgesteinsnatur, schon so lange (auch von wiederholten früheren Ferienaufenthalten her), daß ich weder das Gefühl hatte, durch die Angaben Klemms etwas Neues zu erfahren, noch selbst etwas Neues auszusprechen. Überdies weichen meine Ansichten von den seinigen insofern nicht unbedeutend ab, als er in manchen Gneisen fluidale Granite - und dies wurde in meiner Mitteilung erwähnt - oder Resorptions- und Einschmelzgesteine sieht, wo nach meiner Ansicht injizierte Schiefer oder nahezu reine Sedimentgneise vorliegen. Der Zusammenstellung seiner Untersuchungsergebnisse über die Tessiner Alpen sehe ich mit großem Interesse entgegen.