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Frühneolithische (?) Artefakte im Geschiebedecksand Westholsteins.

Gagel, C.

Kurzfassung

Bisher gehören die Funde menschlicher Artefakte, die in einem Diluvialprofil liegen, deren Alter also ohne weiteres klar und nicht erst durch lange und umständliche Indizienbeweise zu schließen ist, zu den größten Seltenheiten. Was wir bisher über das Zusammenfallen der Chronologie prähistorischer Kulturen mit der geologischen Gliederung des Quartärs wußten, ließ darauf schließen, daß das Diluvium die Zeit der paläolithischen Kulturen sei und daß die neolithischen Kulturen erst in postglazialer Zeit einsetzten. Durch einen glücklichen Fund der letzten Zeit in Westholstein scheint diese Ansicht eine nicht unwesentliche Korrektur zu erfahren. Bei einem Besuch der großen Eisenbahnkiesgrube bei St. Michaelisdonn am äußersten Südwestrande der Ditmarscher Geest gelang es mir, in dem dortigen oberdiluvialen Geschiebedecksand, der auf einer dünnen Bank anscheinend oberen Geschiebelehms bzw. Geschiebemergels liegt, Artefakte in recht großer Zahl zu finden, die mindestens zum Teil der ganz frühneolithischen (nach dänischer Bezeichnung mesolithischen) Kulturstufe anzugehören scheinen, welche nach dem auffälligsten Kennzeichen ihrer Technik auch Skivespalterkultur genannt wird. Diese Kultur, deren Reste wir bisher nur aus der frühen Ancylus- (frühen Eichen-) Zeit [Maglemose auf Seeland] bzw. aus Prälitorinabildungen (Eichenzeit) [Kieler Föhrde bei Ellerbeck und Husum], sowie aus Litorinabildungen (Kjökkenmöddinger) kannten, zeichnet sich dadurch aus, daß ihre roh zugeschlagenen Äxte eine Schneide zeigten, die aus einer durch einen wuchtigen Schlag von einem Flintblock abgespaltenen, mehr oder minder flachen, scharfkantigen Scheibe dadurch herausgearbeitet war, daß die übrigen, nicht scharfschneidenden Teile dieser Scheibe durch vorsichtige kurze Schläge abgespalten wurden. ...