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Über das Alter der Dislokationen des hannoversch-hessischen Berglandes und ihren Einfluß auf Talbildung und Basalteruptionen.

Grupe, O.

Kurzfassung

1. Einleitung: Wie ich bereits früher nachgewiesen habe, ist der Gebirgsbau des Sollings und seines weiteren Vorlandes in seiner Grundphysiognomie als das Produkt präoligocäner Dislokationsvorgänge anzusehen. Ich habe vor allem gezeigt, daß gegenüber dem flach gelagerten Buntsandsteinmassiv des Sollings die Aufpressung der alten Buntsandstein- und Zechsteinhorste des Voglers, des Homburgwaldes, des Elfas und der Ahlsburg und andererseits die Versenkung der Muschelkalk-, Keuper- und Liasgräben des Sollings, des Einbeck-Markoldendorfer Beckens und des Göttinger Leinetalgrabens in ihrer ursprünglichen Anlage in voroligocäner Zeit erfolgt sind, während die in den zahlreichen Tertiärversenkungen des Sollings zum Ausdruck kommenden jungtertiären Dislokationen nur lokale Grabeneinbrüche geringeren Ausmaßes darstellen, die mit einer weiteren, stärkeren Aufrichtung der Schichten nicht verbunden gewesen zu sein brauchen und zum Teil in ihrem Verlaufe den vorhandenen Spalten der älteren Phase folgen, also posthume Verwerfungen (im Sinne von Suess) sind. Ich habe sodann in der März-Sitzung 1910 der Deutschen Geologischen Gesellschaft in einem Vortrage näher ausgeführt, daß an solche jungtertiären Dislokationen die Basalte des Sollings gebunden sind, die im Anschluß an die Tertiäreinbrüche an einzelnen Stellen auf den Randspalten hervorquollen, um sich dann an der Erdoberfläche deckenförmig auf dem Tertiär auszubreiten und seitlich an die stehen gebliebenen Buntsandsteinhorste anzulegen. Zu wesentlich anderen Ergebnissen ist Bücking in seinen Arbeiten über die Basalte und Phonolithe der Rhön gekommen, von denen die älteren die Auffassung enthalten, daß selbst manche bedeutenderen, weithin sich erstreckende Gräben als postvulkanische, d. h. als durch den Vulkanismus erzeugte anzusehen und daß präexistierende Eruptionsspalten im allgemeinen nicht nachzuweisen seien. Meine auf Grund von Kartenstudien in meinem Vortrage ausgesprochene Vermutung, daß die größeren Gräben der Rhön vielleicht auch präoligocänen Alters sein möchten, hat nun durch die inzwischen erschienenen Publikationen Bückings ihre Bestätigung gefunden. ...