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Quartäre Krustenbewegungen im Gebiete der wolhynisch-ukrainischen Granitplatte

v. Lozinski, W.

Kurzfassung

Der einförmige Osten Europas wird im Gegensatze zum reichgegliederten Westen gewöhnlich ,Tafel" oder ,Platte" (auch ,Flachland") genannt und als relativ stabil bezeichnet. Gewiß haben in diesem ausgedehnten Gebiete die vorzeitlichen Krustenbewegungen keine so bedeutenden Höhenunterschiede hervorgebracht wie in den gebirgigen Teilen Europas. Den Begriff einer tektonischen Ruhe aber, den man früher mit der sog. russischen Tafel verknüpfte, haben die neueren Forschungen zerstört, indem sie, insbesondere im westlichsten Teil der südrussischen Platte, zwischen der Dnjeprfurche und dem Karpatenrande, ganze Systeme von Dislokationen zutage förderten, welche zu verschiedenen Zeitabschnitten entstanden. Bald tauchte auch der Gedanke auf, daß die jüngsten Krustenbewegungen in die Quartärzeit zu verlegen sind. Die zuerst von Philtppson geäußerte Annahme einer diluvialen Hebung der südrussischen Platte ist jedoch in dem Sinne aufzufassen, daß nicht dieses große Gebiet im ganzen, sondern nur einzelne Teile desselben zur Quartärzeit von Krustenbewegungen betroffen wurden. Zu den Teilen der südrussischen Platte, die noch in der jüngsten geologischen Vergangenheit bewegt wurden, gehört unter anderen die wolhynisch-ukrainische Granitplatte. Darauf wies bereits das längst bekannte Auftreten von zahlreichen Stromschnellen [z. B. am Dnjepr und Boh] hin, und neuerdings hat Tutkowski für den wolhynischen Teil der Granitplatte genau gezeigt, wie das Gefälle der Flüsse beim Eintritt in dieselbe erheblich zunimmt. Vor kurzem konnte ich an zwei Flußläufen, und zwar am Teterew (mit Irscha) und an der Usch, studieren, wie deutlich und in geradezu mustergültiger Weise die quartären Krustenbewegungen in der morphologischen Gestaltung hervortreten. ...